SUPPLEMENT: Reisemagazin

Medizin: Diabetiker auf Reisen

Schrörs, Hans-Jürgen

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Foto: Keystone
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Um Hyper- oder Hypoglykämie zu verhindern, sollten Kranke gut geschult den Urlaub antreten.

Menschen mit Diabetes können im Prinzip genauso verreisen wie Gesunde. Sie müssen allerdings vor allem im Umgang mit ihren Medikamenten geschult sein. Bei Reisen in fremde Regionen sollte sich jeder Diabetiker zunächst über die Kostformen und Kohlenhydrat-Austauschtabellen informieren. Hier helfen Ratgeber weiter, die über den Buchhandel und Diabetikerverbände erhältlich sind. Ansonsten gilt folgende Checkliste:
- Medikamente in doppelter Menge mitnehmen, getrennt aufbewahren;
- BZ-Messgerät und genügend Teststreifen mitnehmen;
- internationalen Diabetikerausweis besorgen;
- Traubenzucker und kleine Zwischenmahlzeiten (zum Beispiel Müsliriegel) besorgen;
- Injektionsbesteck und Lanzetten in ausreichender Menge mitnehmen;
- eventuell Insulinkühlbox bestellen.
Der Diabetiker Bund empfiehlt, ein ärztliches Attest auf die Reise mitzunehmen, in welchem die Injektionsbehandlung und das Injektionsbesteck bescheinigt werden. Dies erspart Ärger und Zeit beim Zoll. Ein Zertifikat kann beim Diabetiker Bund bestellt werden (adressierten und frankierten Rückumschlag beilegen): Diabetiker Bund, Goethestraße 27, 34119 Kassel, Telefon: 05 61/7 03 47 70, Fax: 05 61/7 03 47 71; Internet: www.diabetikerbund.de, E-Mail: info@diabetikerbund.de.
Medikamente, Teststreifen und Injektionsbestecke sollten unbedingt in doppelter Menge vorhanden sein. Wegen der Gefahr von Diebstahl und des Gepäckverlustes am Flughafen sollten diese lebensnotwendigen Dinge in zwei verschiedenen Gepäckstücken untergebracht werden. Ein Transport von Insulin im Koffer ist zu vermeiden, da in den Gepäckräumen der Flugzeuge oft Minustemperaturen herrschen.
Die Zeitumstellung bereitet Diabetikern ein besonderes Problem. Bei größeren Entfernungen sollten sich insbesondere insulinpflichtige Diabetiker an vorgegebene Regeln halten:
- Orale Antidiabetika werden nach Umstellung der Uhren zu den üblichen Zeiten weiter genommen.
- Bei Einnahme von oralen Antidiabetika und Insulin werden die Tabletten nach Umstellung der Uhren zu den üblichen Zeiten weiter genommen, der Blutzucker wird alle drei Stunden gemessen und durch eventuelle Normal-Insulininjektionen eingestellt.
- Regeln für insulinpflichtige Reisende bei Zeitumstellungen: Bei einem Flug nach Westen wird pro Stunde Zeitverlängerung die nächste Insulindosis um ein Zwölftel erhöht, anschließend Blutzuckerkontrolle alle drei Stunden und Anpassung der Dosis; bei einem Flug nach Osten wird pro Stunde Zeitverkürzung die nächste Insulindosis um ein Zwölftel verringert, anschließend Blutzuckerkontrolle alle drei Stunden und Anpassung der Dosis.
Hypoglykämie
Die Unterzuckerung kann schnell zur Bewusstseinseintrübung oder gar zum Schock mit Bewusstlosigkeit führen.
Maßnahmen bei Hypoglykämie:
- Keine Beschwerden, Blutzucker unter 3 mmol/L – Aufnahme einer Broteinheit (1 BE)
- Leichtes Schwitzen, Zittern und Hunger – Aufnahme von zwei Broteinheiten (2 BE)
- Starkes Schwitzen, Denkstörungen, Herzklopfen – Aufnahme von drei Broteinheiten (3 BE)
- Verwirrtheitszustand, beginnende Somnolenz und Bewusstseinstörungen:
- Hilfe nur durch Hilfsperson oder Arzt möglich; Hilfsperson: eine Ampulle Glukagon s.c. oder i.m.; Arzt: 40 mg 40-prozentige Glucose i.v. gegebenenfalls Glucoseinfusion.
Hyperglykämie
Die Entgleisung des Blutzuckers im Sinne einer Erhöhung stellt sich immer langsam ein und führt unbehandelt über Durstgefühl, allgemeine Schwäche und Müdigkeit zur Bewusstseinseintrübung. Der Patient mit einer Hyperglyk-
ämie schläft sehr viel, kann aber aufgeweckt werden (im Gegensatz zum Patienten im hypoglykämischen Schock). Die regelmäßige Zuckermessung im Urin muss auf einer Reise selbstverständlich sein. Der Urinzucker sollte unter einem Prozent liegen. Bei Werten über drei Prozent ist eine Kontrolle des Acetons erforderlich. Sie kann über Urinteststreifen erfolgen. Wird Aceton ausgeschieden, sollte ausreichend Flüssigkeit zugeführt und ein Arzt aufgesucht werden. Eine Neueinstellung des Blutzuckers ist anschließend dringend geboten.
Maßnahmen bei Hyperglykämie:
- Blutzucker erhöht > 14 mmol/L und Urinaceton negativ: viel trinken; Blutzucker eventuell vorsichtig mit Normalinsulin senken*; Nahrungsaufnahme, um Unterzuckerung vorzubeugen; Blutzuckertests mehrmals täglich
- Blutzucker erhöht > 14 mmol/L und Urinaceton positiv: möglichst Arzt bestellen; sehr viel trinken; Blutzucker durch Normalinsulingabe senken (zusätzlich 20 Prozent des Tagesbedarfes*); Blutzuckerkontrolle alle zwei Stunden; körperliche Schonung. Dr. Hans-Jürgen Schrörs, www.reisevorsorge.de


*) 1 Einheit (E) Normalinsulin senkt den Blutzucker um circa 25 mg%
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