ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2006Irakkrieg: Umstrittene Zahlen über Opfer

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Irakkrieg: Umstrittene Zahlen über Opfer

Meyer, Rüdiger

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Gewalt im Irak: 59 Prozent der Todesopfer sind Männer im Alter von 15 bis 44 Jahren. Foto: dpa
Gewalt im Irak: 59 Prozent der Todesopfer sind Männer im Alter von 15 bis 44 Jahren. Foto: dpa
Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie US-amerikanischer Epidemiologen, die im Lancet (2006; online 11. Oktober) veröffentlicht wurde, könnten zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650 000 Menschen (oder 2,5 Prozent der Bevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund der Vorkriegszahlen zu erwarten war. Diese Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1 849 Haushalten in 47 Regionen des Landes, die Gilbert Burnham von der Bloomberg School of Public Health initiiert hat. Etwa 92 Prozent der Menschen seien durch gewaltsame Handlungen ums Leben gekommen. 59 Prozent der Opfer seien Männer im Alter von 15 bis 44 Jahren, heißt es in dem Bericht.
Die geringe Zahl der Befragungen, die von zwei Teams mit jeweils vier Interviewern teilweise unter Lebensgefahr durchgeführt wurden, bedingt zwar ein relativ breites 95-Prozent-Konfidenzintervall von 426 369 bis 793 663 Opfer. An der Validität der Daten ist aber nach Ansicht von Lancet-Herausgeber Richard Horton nicht zu zweifeln.
Zweifel an Burnhams Daten äußerte Jon Pedersen von der Forschungsorganisation Fafo gegenüber Nature Online. Er war in einer von der UNO finanzierten Studie auf 18 000 bis 29 000 Opfer bis Mai 2004 gekommen. Pedersen glaubt, dass die Referenzzahlen zur Todesrate vor der Invasion, die Burnham seiner Berechnung zugrunde gelegt hat, zu niedrig waren. rme

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