ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2006Rehabilitation: Bezahlung nach Erfolg

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Rehabilitation: Bezahlung nach Erfolg

Dtsch Arztebl 2006; 103(42): A-2758 / B-2398 / C-2309

Hibbeler, Birgit

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Die Motivation der Patienten wird mit den „Prädiktoren“ nicht erfasst. Foto: Peter Wirtz
Die Motivation der Patienten wird mit den „Prädiktoren“ nicht erfasst. Foto: Peter Wirtz
Die Barmer Ersatzkasse erprobt ein Modell zur ergebnisorientierten Vergütung in der neurologischen Rehabilitation. Zentraler Bestandteil dabei ist ein Bonus-Malus-System.

Wenn von einer Bonus-Malus-Regelung die Rede ist, dann geht es meist um Arzneimittel. Die Barmer Ersatzkasse will nun jedoch auch im Bereich der medizinischen Rehabilitation eine ergebnisorientierte Vergütung etablieren, die mit einem Bonus-Malus-System verknüpft ist. Diese erfolgsbezogene Bezahlung soll die bislang in der Reha-Branche üblichen tagesgleichen Pflegesätze ablösen. Wie genau dies in der Praxis aussehen könnte, erprobt die Krankenkasse bei der neurologischen Rehabilitation mit ihrem Forschungsprojekt „Ergebnisorientierte Vergütung in der Rehabilitation nach Schlaganfall“.
Ziel dabei sei eine Verbesserung der Behandlungsqualität durch finanzielle Anreize, sagte Theo Barth, Leiter der Abteilung stationäre Versorgung und Rehabilitation der Barmer, beim MCC-Reha-Forum in Köln. Bei dem Projekt handelt es sich um eine Feldstudie mit 1 000 Patienten in 13 neurologischen Rehabilitationskliniken. Das Prinzip ist einfach: Bei Aufnahme sollen möglichst aussagekräftige „Prädiktoren“ erhoben werden. Das heißt, für jeden Patienten wird vor der Behandlung ein Erwartungswert, ein „Sollwert“, ermittelt, der besagt, welches Ziel die Therapie wahrscheinlich erreichen kann. Der Erwartungswert wird dann bei Entlassung mit dem tatsächlichen Ergebnis verglichen. Es wird also geprüft, inwiefern die Rehabilitationsziele erreicht wurden.
„Keine Rosinenpickerei“
Durch das neue Modell besteht Barth zufolge nicht die Gefahr der „Rosinenpickerei“. Es gebe einen Anreiz, in jedem Einzelfall ein möglichst gutes Ergebnis zu erzielen. Dafür wurde ein neuer „Selbstständigkeitsindex für neurologische und geriatrische Reha“ (SINGER) erarbeitet, der an die Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF) angelehnt ist.
Durch die ersten Ergebnisse des Forschungsprojektes sieht sich die Barmer in ihrer Annahme bestätigt, dass die verwendeten Vorhersageinstrumente verlässlich sind. Man habe acht Prädiktoren entwickelt, die eine Aussagefähigkeit von mehr als 80 Prozent hätten, sagte Barth. Dazu zählen fünf Items aus dem SINGER-Index, beispielsweise Stuhlkontrolle und Gehfähigkeit, außerdem Rumpfkontrolle, Alter und Reha-Dauer. Zunächst will man nun die Ergebnisse den beteiligten Einrichtungen vorstellen. Ein Abschlussbericht des Projektes soll noch in diesem Jahr vorliegen.
Ab 2007 wird es dann darum gehen, das Berechnungsmodell in die Praxis umzusetzen. Das könne beispielsweise so aussehen, dass sämtliche bei Aufnahme ermittelten „Soll-Werte“ einer Klinik zu den „Ist-Werten“ bei Entlassung ins Verhältnis gesetzt werden, erklärte Barth. Durch ein Bonus-Malus-System sollen die Kliniken, die „erfolgreich“ arbeiten, belohnt und die anderen bestraft werden. Das Abrechnungsmodell soll an den 13 teilnehmenden Kliniken erprobt werden, allerdings zunächst virtuell. An der Vergütung wird sich also erst einmal nichts ändern. Künftig aber ist der Barmer zufolge denkbar, das Prinzip für Schlaganfallpatienten auf alle Rehabilitationskliniken anzuwenden.
Existenz von Kliniken soll nicht gefährdet werden
Durch die Bonus-Malus Regelung würde es zu einer ergebnisorientierten Umverteilung kommen. Die Ausgaben der Barmer Ersatzkassse für die neurologische Rehabilitation blieben dabei unverändert. Aber es käme zu einer höheren Qualität, meint Barth. Noch stehe aber nicht fest, welcher Anteil der Vergütung in das neue Modell fließen werde. Barth versicherte allerdings, die Höhe des Bonus-Malus solle künftig so reguliert werden, dass Anreize zu mehr Qualität entstehen, aber nicht die Existenz von Einrichtungen gefährdet werde.
An dem Projekt beteiligt sind die Wittgensteiner Kliniken AG, die Klinikgruppe m&i Enzensberg, das Hochrhein-Institut für Rehabilitationsforschung in Bad Säckingen und der Medizinische Dienst der Krankenkassen in Sachsen. Für weitere Kliniken und Kostenträger sei man offen, heißt es von der Barmer.
Dr. med. Birgit Hibbeler
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