ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2006Weiterbildung: Druck zur Qualität
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. . . Typischerweise ist der Assistenzarzt bei uns, wie in dem Artikel korrekt beschrieben, einer Vielzahl von interessengesteuerten Einflüssen ausgesetzt, die sich wesentlich auf seine Ausbildung, die Anzahl seiner Interventionen für den Weiterbildungskatalog oder seine Zeit für die Forschung auswirken. Die Steuerung und Kontrolle der Ausbildung liegt dabei zumeist in einer Hand, der des leitenden Oberarztes oder der des Chefarztes. In den USA wird die Steuerung in der Regel von einem völlig unabhängigen Konsultanten der Abteilung übernommen, die Evaluation erfolgt neutral und zentral. Der Ruf der Abteilung und Klinik hängt wesentlich von ihr ab. Entsprechend ist auch aufseiten der Klinik ein hoher Druck zur Qualität vorhanden. In Deutschland ist meist nur der Chefarzt weiterbildungsberechtigt. Nur er entscheidet, wann er die Ausbildung eines Assistenten als abgeschlossen betrachtet, das entsprechende Zeugnis ausstellt und den Eingriffskatalog bestätigt. Eine Teilung dieser Verantwortlichkeit ist naturgemäß mit einem Verlust an Einfluss verbunden. Die mancherorts noch fast militaristisch anmutende Hierarchie macht dieses damit wenig wahrscheinlich. Die Prüfung des angehenden Facharztes erfolgt in einem Kollegialgespräch, eine Wertung im Sinne von Noten oder Punktevergabe findet nicht statt, von einer zentralen Prüfung ganz zu schweigen. Auf den Weiterbildungsberechtigten bezogene Bestehens- oder Versagensquoten werden nicht veröffentlicht. Damit entsteht auch aufseiten der Ausbildenden kein Druck zur Qualität. So wünschenswert es wäre, Teile des amerikanischen Systems in unsere Facharztausbildung zu übernehmen, sehe ich die strukturellen Voraussetzungen in Deutschland derzeit nicht gegeben.
Prof. Dr. med. Hans Roland Dürr,
Orthopädische Klinik, Klinikum der LMU München, Marchioninistraße 15, 81377 München
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