ArchivDeutsches Ärzteblatt9/1997Primärprävention der Atherosklerose: Ein Wirkstoff allein genügt nicht

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Primärprävention der Atherosklerose: Ein Wirkstoff allein genügt nicht

Vetter, Christine

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LNSLNS Umstritten ist, ob auch eine medikamentöse primäre Prävention der Atherosklerose möglich ist und - wenn ja - mit welchen Wirkstoffen. Offen ist auch, bei welchen Personen eine Medikamenteneinnahme indiziert und wirtschaftlich vertretbar ist. Die Daten, die zu diesen Fragestellungen vorliegen, diskutierten Experten in Wien bei einem Pressesymposium, zu dem die Bayer AG eingeladen hatte.
Wie Prof. Carlo Patrono (Chieti/Italien) darlegte, sind verschiedene Ansatzpunkte für die primäre Prävention vorstellbar. Sie folgen dem pathogenetischen Geschehen, also der Bildung atherosklerotischer Plaques, ihrer Ruptur und der thrombotischen Ereignisse, die schließlich zum manifesten Herzinfarkt führen.
Unwahrscheinlich ist laut Patrono, daß sich dieses Geschehen mit einem einzigen Wirkstoff aufhalten läßt. Vielmehr kann durch einzelne Substanzen immer nur an bestimmten Stellen des Ablaufs angegriffen werden, eine wirkungsvolle Prävention ist somit nur von einem Gesamtkonzept zu erwarten, das der multifaktoriellen Genese der Atherosklerose Rechnung tragen kann.
Einen Baustein bei der primären Prävention könnten Plättcheninhibitoren wie die Acetylsalicylsäure (ASS) liefern. Dazu wurde ASS bereits bei mehr als 30 000 Menschen untersucht. Es ergab sich eine ein- bis vierprozentige jährliche Risikominderung in bezug auf ein kardiovaskuläres Ereignis. Noch ausgeprägter sind die protektiven Effekte bei Patienten mit KHK; am stärksten sind sie bei der instabilen Angina pectoris. Patrono: "Generell gilt, daß der protektive Effekt um so größer ist, je höher das Risiko des Betroffenen ist." Effektiv scheint vor allem eine Kombination von ASS und Vitamin E zu sein, wie Prof. Henning Schröder (Halle) demonstrierte. Jüngste Untersuchungen des Mediziners an isolierten Aorta-streifen der Ratte haben ergeben, daß sowohl Vitamin E, erstaunlicherweise aber auch ASS antioxidative Effekte entwickeln und dadurch die Blutgefäße schützen. Beide Substanzen konnten Gefäßschädigungen durch eine Behandlung mit Wasserstoffperoxid, welche die Bildung freier Radikale provoziert, entgegenwirken.


Effektiver Gefäßschutz
Bei kombinierter Vorbehandlung mit ASS und Vitamin E wurden zytoprotektive Effekte erwirkt. "Allerdings braucht es eine gewisse Zeit, ehe diese sich ausbilden, so daß die Vermutung einer Wirkung über Transkriptionsfaktoren naheliegt", so Schröder. Vitamin E und ASS schützen eindeutig das Gefäßsystem, wobei es sich mindestens um additive, möglicherweise sogar um überadditive Effekte handelt.
Einen weiteren Ansatzpunkt für eine primäre Prävention und einen effektiven Gefäßschutz bieten lipidsenkende Wirkstoffe und insbesondere die Statine. Sie entfalten ihre Wirksamkeit neuesten Untersuchungen zufolge keineswegs nur über einen cholesterinsenkenden Effekt. Vielmehr scheinen die meisten Substanzen (außer Pravastatin) intrazellulär Einfluß auf die Bildung sekundärer und tertiärer Messenger zu nehmen, wie Prof. Rodolfo Paoletti (Mailand) ausführte.
Die Statine scheinen dabei auch auf den Zellzyklus einzuwirken und ihn in einem nicht proliferativen Stadium festhalten zu können. So erklärt sich nach Paoletti die antiproliferative Eigenschaft vieler Statine, die die gefürchtete Verdickung der Gefäßwand verhindert, ein protektiver Effekt, der nach Ansicht des Wissenschaftlers völlig unabhängig von der lipidsenkenden Wirksamkeit dieser Medikation zu sehen ist.
Christine Vetter

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