ArchivDeutsches Ärzteblatt9/1997Schlaganfall-Therapie mit Piracetam: Einsatz bei Akutbehandlung

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Schlaganfall-Therapie mit Piracetam: Einsatz bei Akutbehandlung

Glomp, Ingrid

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LNSLNS Der Wirkstoff Piracetam (Nootrop®) ist bisher vor allem als Mittel bei Hirnleistungsstörungen im Alter bekannt. Vor kurzem berichteten Prof. Horst Herrschaft (Lüneburg) und Dr. Jörg Dieter Summa (Nürnberg) bei einer Fachpressekonferenz der UCB Pharma in Bordeaux, daß sich die Substanz auch bei der Akuttherapie von Schlaganfällen einsetzen läßt.
Wie Herrschaft erklärte, beeinflußt Piracetam den Hirnstoffwechsel, obwohl man seinen genauen Wirkmechanismus noch nicht kennt. Der Neurologe referierte die Ergebnisse der PASS-Studie (Piracetam in Acute Stroke Study). An der multizentrischen, europäischen Studie nahmen etwa 900 Patienten teil. Innerhalb von zwölf Stunden nach dem Schlaganfall erhielten sie 12 g Piracetam als Bolusinfusion, danach vier Wochen lang 12 g pro Tag und anschließend 4,8 g pro Tag über einen Zeitraum von acht Wochen.
25 Prozent der Personen mit einem mittelschweren bis schweren Schlaganfall wurden aufgrund der Behandlung sehr viel autonomer als solche in der Vergleichsgruppe (J. Neurol. 6, Suppl. 243, 111, 1996). Bei zwei von zehn blieb der Schlaganfall sogar ohne Folgen (im Vergleich zu einem von zehn in der PlazeboGruppe). Auch auf die Aphasie wirkte Piracetam sich positiv aus: Nach vier Wochen waren 30 Prozent und nach zwölf Wochen 37 Prozent der Studienteilnehmer ohne Aphasie (unter Plazebo: 22 und 21 Prozent). Die Zahlen gelten jedoch nur für die Personen der Untergruppe, die innerhalb der ersten sechs Stunden behandelt worden waren, denn nur bei ihnen hatte die Behandlung einen deutlichen Effekt. Auch hier gilt der Grundsatz, daß keine Zeit zu verlieren ist. Summa berichtete über zwei deutsche Studien zur Wirksamkeit und Verträglichkeit einer zusätzlichen Piracetam-Therapie zur Basisbehandlung beim akuten Schlaganfall. Bei einer hatte er selbst mitgearbeitet, die andere ausgewertet. Er resümierte, daß aufgrund der Wirksamkeit und der geringen Nebenwirkungsrate einer Kombinationstherapie - Basistherapie plus Piracetam - beim akuten zerebralen Insult der Vorzug gegeben werden sollte. Dem schloß sich Herrschaft an, der meinte, das Medikament gehöre zur Behandlung von Schlaganfällen in die Notarzttasche, weil keine schädlichen Auswirkungen bekannt seien und es - gleich zu Anfang gegeben - einen neuroprotektiven Effekt habe. Dr. Ingrid Glomp
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