ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2006Restless-Legs-Syndrom: Schlafstörungen führen zum Praxisbesuch

KULTUR

Restless-Legs-Syndrom: Schlafstörungen führen zum Praxisbesuch

Blaeser-Kiel, Gabriele

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Die leitliniengerechte Therapie des Restless-Legs-Syndroms (RLS) ist nun ohne Sorge vor einer potenziellen Verweigerung der Kostenerstattung durch die gesetzliche Krankenversicherung möglich. Durch die Zulassungserweiterung kann der Dopaminagonist Ropinirol nicht nur Parkinsonkranken (als Requip®), sondern auch RLS-Patienten (als Adartrel®) verordnet werden. Der Einsatz wird besonders dann empfohlen, wenn eine dauerhafte Behandlung erforderlich ist, weil die Beschwerden sehr häufig auftreten und mit Einschränkungen der Lebensqualität einhergehen.
Für das Krankheitsbild charakteristisch und daher für die Diagnosestellung essenziell sind die vier von der International-Restless-Legs-Syndrome-Study-Group definierten Kardinalkriterien:
- Bewegungsdrang, bedingt durch oder begleitet von Missempfindungen in den Beinen, manchmal auch in anderen Körperregionen,
- die unter Ruhebedingungen oder Phasen von Inaktivität beginnen oder aggravieren,
- bei körperlicher Aktivität und/ oder geistiger Anspannung nachlassen oder ganz verschwinden,
- gegen Abend und/oder in der Nacht am schlimmsten sind.
Sensomotorik ist Teilaspekt
Prof. Dr. med Göran Hajak (Regensburg) hält es für unerlässlich, die Patienten nicht nur nach sensomotorischen Störungen zu fragen, sondern auch nach der Erholsamkeit des Schlafs beziehungsweise der Befindlichkeit/Leistungsfähigkeit am Tag. Seiner Erfahrung nach erträgt die Mehrzahl der Patienten die Tagessymptomatik. Wird aber das Ein- und Durchschlafen durch Missempfindungen und Bewegungsdrang beeinträchtigt und wacht man morgens „wie gerädert“ auf, sollte eine Behandlung eingeleitet werden. Ein Schlaglicht auf den Stellenwert des Restless-Legs-Syndroms wirft ein in Europa und in den USA durchgeführtes Studienprogramm mit dem Akronym REST1. Dabei handelt es sich um repräsentative Erhebungen in der Allgemeinbevölkerung (n = 15 391/Arch Intern Med 2005; 165: 1286–92) und bei Personen, die aus beliebigem Grund ihren Hausarzt aufgesucht haben (n = 23 052/Sleep Medicine 2004; 5: 237–46).
Die Prävalenz in Deutschland betrug elf Prozent. Ein Drittel der Betroffenen wurde aufgrund von Häufigkeit und Schwere der Symptome als behandlungsbedürftig identifiziert. Bei den Symptomen, die von diesen Patienten als besonders belastend oder quälend empfunden wurden, führten Schlafstörungen und die Auswirkungen eines nicht erholsamen Schlafs die Liste an (Grafik).
Mit Ropinirol bestehen gute Chancen auf Linderung des gesamtem Spektrums der RLS-Symptome. Das lassen die Ergebnisse des umfangreichen klinischen Untersuchungsprogramms erkennen. Kernstück sind internationale Multicenterstudien mit den Akronymen TREAT RLS2 über jeweils zwölf Wochen (J Neurol Neurosurg 2004; 75: 92–7, Mov Disord 2004; 19: 1414–23, Mayo Clin Proc 2006; 81: 17–27) sowie RESET-PLM3 mit polysomnographischen Kontrollen (Sleep 2004; 27: 907–14). Für fast 400 der rund 1 200 Studienteilnehmer liegen Daten für eine zwölfmonatige Nachbeobachtungszeit vor.
Einschlusskriterien und Design waren für alle Studien gleich, sodass eine zusammenfassende Bewertung möglich ist. Rekrutiert wurden mittelschwer bis schwer betroffene Patienten mit einem durchschnittlichen IRLS-Score (International Restless Legs Scale) von 22 Punkten. Ropinirol oder Placebo war randomisiert doppelblind eine bis drei Stunden vor dem Zubettgehen eingenommen worden. Bei allen Endpunkten ergab sich ein statistisch signifikanter Vorteil für Ropinirol hinsichtlich Sensomotorik, Schlafstörungen und Tagesvigilanz. Auch die Verträglichkeit der Substanz wurde als gut beurteilt. Nebenwirkungsbedingte Therapieabbrüche waren in den Verumarmen nicht häufiger als in den Kontrollgruppen.
Ein Pluspunkt ist für Prof. Dr. med. Claudia Trenkwalder (Kassel) die sehr niedrige Augmentationsrate unter Ropinirol. Das bedeute, dass die RLS-Symptomatik nach initialer Besserung an Intensität zunehme, sich an anderen Körperregionen manifestiere, früher am Tag und/oder schneller in Ruhesituationen auftrete. Mit 3,8 Prozent sei das Risiko unter Ropinirol deutlich geringer gewesen als bisher in Studien mit Levodopa (bis zu 82 Prozent) oder anderen Dopaminagonisten (bis zu 32 Prozent).
Gabriele Blaeser-Kiel

Pressekonferenz „Adartrel®“ in Hamburg, Veranstalter: GlaxoSmithKline

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.

Fachgebiet

Zum Artikel

Der klinische Schnappschuss

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote