ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2006Ärzte-Schach: Fröhliches Alter

SCHLUSSPUNKT

Ärzte-Schach: Fröhliches Alter

Dtsch Arztebl 2006; 103(42): [88]

Pfleger, Helmut

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Foto: Dagobert Kohlmeyer
Foto: Dagobert Kohlmeyer
Etliche Studien weisen darauf hin, dass man sich mit Schachspielen geistige Frische bis ins hohe Alter bewahren und so auch vor der Alzheimer-Krankheit schützen kann. Als „pars pro toto“, wenn diese hier etwas seltsame Metapher erlaubt sein mag, kommt mir der 95-jährige ungarische Großmeister Andor Lilienthal in den Sinn, der immer noch lebenslustig in die Welt schaut, und mit dem zusammen vor einigen Jahren bei einem Turnier in Wien in bestem Deutsch (ich meine natürlich ihn) die Partien von Kramnik, Karpow & Co. zu kommentieren mir eine Freude war. Allerdings führt er seinen beneidenswerten Zustand auch auf seine jeweils wesentlich jüngeren, russischen Ehefrauen zurück, deren zwei er überlebt hat und nun glücklich mit der dritten verheiratet ist. Ich werde auch nie sein Strahlen vergessen, als wir in Wien mit Kramnik, Karpow und Jussupow zusammenstanden und ich einen Satz auf Russisch „radebrach“: „Endlich habe ich jemanden getroffen, der noch schlechter Russisch als ich spricht!“ Offenbar hat er, der zeitweise in Russland lebte, auch Humor, und vielleicht trägt dieser in Verbindung mit den richtigen Ehefrauen, neben dem natürlich unerlässlichen Schach, ja auch zur Gesundheit bei (siehe auch später). Wie auch immer, es kommen mir keine älteren, an Alzheimer leidenden Schachspieler in den Sinn. Möge nun keiner sagen, diese verlören ihren Verstand schon viel früher.
Gedanken über das „Nicht-Einrosten“
Der Chirurg Dr. med. Wolfgang Weise, der mit mir zusammen bei einer Deutschen Jugendmeisterschaft spielte, machte sich auch seine Gedanken über das „Nicht-Einrosten“ nach der Beendigung eines arbeitsreichen Berufslebens: „Zwei meiner Kollegen aus Burghausen hatten vorgesorgt. Der eine träumte während seiner Praxistätigkeit davon, als Kellner in einem Biergarten in München zu arbeiten, und hat diese Absicht auch verwirklicht. Der zweite Kollege bereist als Beifahrer von internationalen Lkw-Transporten Europa und hat mir schon Ansichtskarten aus Griechenland, Portugal und Sizilien geschickt. Vor drei Jahren nun stand ich da: Staubsaugen, Fenster putzen, Essen kochen? Nein, das ließ meine „Ehegöttin“ (geht’s Wolfgang etwa auch so gut wie Lilienthal?) nicht zu. Reisen, Praxisvertretungen, Engagement beim Roten Kreuz, alles nur zeitweilig. Den ganzen Tag Schach spielen, das war auch nicht die Lösung (darüber muss ich noch mit ihm sprechen!). Es musste noch etwas anderes sein, das mich auch spirituell befriedigte. So wurde ich Pilger, Jakobspilger.“ Und so wanderte Wolfgang letztes Jahr 800 km zu Fuß von Südfrankreich nach Santiago de Compostela, dieses Jahr auf der „Via de la plata“ gar 1 000 km von Sevilla aus. Doch 12 Tage vorher auf dem Ärzteturnier gelang ihm gegen Dr. med. Reiner van der Valk noch eine herrliche Kombination.
Mit welch mächtigem (Opfer-)Schlag gewann er als Schwarzer?

Lösung:
Krachend schlug der Turm beim weißen König ein: 1. . . . Txc3! Nach 2. Dxc3 (alles andere ist noch hoffnungsloser) gewann 2. . . . Sc4+! 3. Lxc4 Dxc3+ Dame, Haus und Hof – der eigentliche Held war indes der „unbeteiligte“ Läufer g7 im Hinterhalt!
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