ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2006Entdeckung eines neuen variablen Immunsystems

AKTUELL: Akut

Entdeckung eines neuen variablen Immunsystems

Zylka-Menhorn, Vera

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LNSLNS Wissenschaftler der Universitäten Mannheim, Heidelberg und Regensburg haben erstmalig den Nachweis erbracht, dass Granulozyten über die molekulare Ausrüstung für die variable Immunabwehr verfügen (PNAS 2006; 103: 14441–6). Sie bilden flexible Repertoires eines variablen Immunrezeptors auf der Basis des T-Zellrezeptors aus. Die Brisanz dieser Entdeckung liegt darin, dass man bisher davon ausging, dass Granulozyten als rasch agierendes Verteidigungssystem lediglich unspezifische Immunabwehrmechanismen besitzen.
In den1960er-Jahren hatte sich das Dogma gefestigt, dass die spezifische Immunabwehr ausschließlich in Lymphozyten lokalisiert ist: in den B-Lymphozyten, deren variable Immunrezeptoren als lösliche Antikörper in die Blutbahn freigesetzt werden, und in den T-Lymphozyten, die den T-Zellrezeptor an ihrer Oberfläche ausbilden. Beide Lymphozytensysteme sind in der Lage, durch eine enorm hohe Anzahl variabler Antikörper beziehungsweise T-Zellrezeptoren auf spezifische Reize (Viren, Bakterien) zu reagieren. Nach Antigen-Kontakt stehen innerhalb weniger Wochen große Mengen von Lymphozyten bereit, die alle denselben maßgeschneiderten Antikörper beziehungsweise die T-Zellrezeptoren produzieren und dadurch in der Lage sind, Antigene spezifisch zu binden und effizient zu eliminieren.
Ein neues Kapitel der Forschung
aufgeschlagen
Nach erfolgreicher Immunabwehr verbleiben wenige dieser Lymphozyten im Organismus und bilden das „immunologische Gedächtnis“, das bei wiederholtem Antigenkontakt rascher als beim Erstkontakt aktiviert wird. Das nun entdeckte flexible Immunrezeptorsystem in Granulozyten scheint eine dritte Säule der variablen Immunabwehr im Menschen darzustellen. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass damit ein neues Kapitel der Entzündungsforschung eröffnet wird.
Sie interessiert die Frage, inwiefern Granulozyten ein schnelles adaptives Immunsystem darstellen, das die langsame, durch Lymphozyten vermittelte klassische adaptive Immunabwehr ergänzt. Nach Ansicht der Forscher (Priv.-Doz. Dr. med. Wolfgang Kaminski, Dr. med. Kerstin Püllmann und Dr. Alexander Beham) würde ein solch schnelles System physiologisch durchaus Sinn machen, da es eine flexible Immunabwehr zu einem frühen Zeitpunkt von Infektionen gewährleisten würde – also in einer Phase, in der das lymphozytäre Immunsystem erst damit beschäftigt ist, „in die Gänge zu kommen“. zyl
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