ArchivDeutsches Ärzteblatt9/1997Sicherheit: Die Oberklasse setzt Maßstäbe

VARIA: Auto und Verkehr

Sicherheit: Die Oberklasse setzt Maßstäbe

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LNSLNS Es ist voll geworden auf den Straßen. Allein in Deutschland sind derzeit mehr als 35 Millionen Pkw registriert. Die Zahl der Verkehrstoten lag 1996 bei knapp 9 000 Personen. Sie wäre noch viel höher, wenn nicht die Automobilindustrie immer neue Sicherheitstechniken entwickelt hätte. Eine strengere Gesetzgebung führte in den vergangenen 15 Jahren zu zahlreichen Neuerungen, die das Unfallrisiko und die Folgen von Unfällen positiv beeinflußt haben.


Gehören Airbag und Seitenaufprallschutz inzwischen fast überall zur Serienausstattung, muß im Klein- und Mittelklassesegment für ABS noch überwiegend kräftig zugezahlt werden. Das Antiblockiersystem zählt erst ab der oberen Mittelklasse zum serienmäßigen Standard. Dafür muß aber beim Kauf der Fahrzeuge tiefer in die Tasche gegriffen werden, und auch der Unterhalt ist durch höhere Steuern, Versicherungsbeiträge und in der Regel höheren Treibstoffverbrauch deutlich teurer. Allerdings erwirbt der Kunde dafür mehr Leistung, Komfort, Prestige und vor allem Sicherheit. Führend ist hier ganz eindeutig die Oberklasse. Sie setzt Sicherheitstechniken ein, die "weiter unten" aus preis- oder marktpolitischen Gründen nicht angeboten werden. Dies fängt bereits bei der Beleuchtung an: Gasentladungslampen, PES-Scheinwerfer (Scheinwerfer mit Sammellinse, BMW) und sogenannte VF- oder HNS-Reflektoren (höhere Lichtausbeute) sorgen in dieser Wagenklasse für eine bessere Ausleuchtung der Straße. Hindernisse und Gefahren werden früher wahrgenommen - es bleibt mehr Zeit zur Reaktion.

Aufwendige Elektronik
Mit einer Antischlupfregelung wird das Durchdrehen der Antriebsräder und somit ein unkontrolliertes Ausbrechen des Fahrzeugs verhindert. Eine Weiterentwicklung von ABS und Antischlupfregelung bezieht auch die Lenkung mit in das System ein und gestattet aktives Manövrieren sogar auf spiegelglatten Eisflächen (FDS, Mercedes).
Aber nicht nur aufwendige Elektronik macht das Fahren sicherer. Auch bei der Abstimmung der Knautschzone konnten durch den Einsatz von Computertechnik weitere Verbesserungen erzielt werden. Zwar sind die "üppigen" Ausmaße einer heutigen Großraumlimousine im Stadtverkehr und beim Rangieren hinderlich, bei einem Auffahrunfall kann das Mehr an Blech hingegen lebensrettend sein. Es ist nun wieder am Gesetzgeber, verstärkt Druck auf die Hersteller auszuüben, damit neue Sicherheitstechnik nicht nur in den Spitzenprodukten der Autofirmen zum Einsatz kommt. Durch Großserien dürfte dies auch bei Kleinwagen realisierbar sein. Dem Verbraucher muß andererseits bewußt sein, daß ein Mehr an Sicherheitsausstattung auch höhere Preise zur Folge hat. Die folgende Aufstellung bringt eine Auswahl der heute zur Verfügung stehenden Sicherheitsvorkehrungen.
ABS: Elektronisches System, das selbst bei einer Vollbremsung ein Blockieren der Räder verhindert. Die Elektronik erfaßt die Geschwindigkeit jedes einzelnen Rades und verringert nach Bedarf den Bremsdruck. Airbag: Ein Luftsack, der bei einem Aufprallunfall innerhalb weniger Millisekunden aufgeblasen wird. Ist eine Person nicht angeschnallt, so kann es trotz Airbag zu starken Verletzungen kommen. Auf Plätzen, die mit einem Airbag ausgerüstet sind, darf kein Kindersitz (gegen die Fahrtrichtung) montiert werden. Mittlerweile gibt es auch Seitenairbags. Diese schieben sich bei einem Unfall zwischen Insasse und Tür.
Seitenaufprallschutz: Eine Versteifung der Türelemente mit zusätzlichen Metallholmen. Sie dient dem Schutz der Insassen bei Seitenauffahrunfällen. Antischlupfregelung: Erkennt bei zu schneller Beschleunigung auf rutschigem Untergrund ein Durchdrehen der Räder und verringert entweder die Antriebskraft oder bremst das Rad ab. Vor allem auf verschneiten oder vereisten Straßen sinnvoll. FDR: Fahr-Dynamik-Regelung, eine von Mercedes mitentwickelte Technik, die über die Möglichkeiten der Antischlupfregelung und des ABS hinausgeht. FDR kontrolliert und registriert alle Lenkbewegungen und die exakte Geschwindigkeit jedes Reifens. Wird ein Lenkmanöver ausgeführt, bremst FDR einzelne Räder gezielt soweit ab und wirkt damit dem Ausbrechen des Fahrzeugs entgegen. Gasentladungslampe: Die auch als Xenonlampen bezeichneten Scheinwerfer erzeugen ihr Licht nicht durch eine Glühwendel, sondern durch Gas, das durch Spannung zum Leuchten gebracht wird. Ihre Lichtausbeute ist deutlich höher, der Blauanteil größer. Daraus resultiert eine wesentlich bessere Ausleuchtung der Straße. Das Licht der Scheinwerfer wird allerdings teilweise als zu stark blendend empfunden.
PES-Scheinwerfer: Sie erhöhen die Lichtausbeute durch eine Sammellinse und kommen dort zum Einsatz, wo aus Designgründen kaum Platz für normale Reflektoren vorhanden ist. VF- und HNS-Reflektor: Spezielle, durch Computer errechnete Reflektoren, die das gesamte Licht ausnutzen, das von einer Lampe erzeugt wird. Die seitliche Abdekkung bei normalen H4-Scheinwerfern entfällt hier. Die Lichtausbeute ist höher, und die Reflektorgröße kann verkleinert werden. MS

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