ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2006Genitalverstümmelung erhöht Risiko für Komplikationen bei der Entbindung

MEDIZIN: Referiert

Genitalverstümmelung erhöht Risiko für Komplikationen bei der Entbindung

Seger, Gabriele

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LNSLNS Die genitale Beschneidung von Frauen und Mädchen ist insbesondere in Afrika nach wie vor weit verbreitet. Die Zahl der Betroffenen wird auf mehr als 100 Millionen geschätzt. Über die Auswirkungen, die ein solcher Eingriff auf die spätere Geburt eines Kindes haben kann, und über die Folgen für Mutter und Neugeborenes gibt es bisher kaum solide Daten. In einer prospektiven Studie untersuchten die Autoren den Effekt verschieden schwerer Formen der Genitalverstümmelung auf Entbindungskomplikationen und die Gesundheit von Mutter und Kind.
28 393 Frauen, die sich zwischen November 2001 und März 2003 zur Geburt eines Kindes in einem von 28 Geburtszentren einfanden, nahmen an der Studie teil. Die Kliniken waren angesiedelt in Burkina Faso, Ghana, Kenia, Nigeria, Senegal und im Sudan. Vor der Niederkunft wurde geprüft, ob die Frauen beschnitten waren. Im Falle einer Beschneidung wurden die Verletzungen den Schweregraden der WHO-Klassifizierung zugeordnet: Female genital mutilation (FGM) 1–3. Angaben zum soziökonomischen Status der Frauen gingen ebenfalls in die Untersuchung ein.
Die Wissenschaftler überwachten den Gesundheitszustand der Frauen und Kinder während der Entbindung und im Anschluss bis zur Entlassung aus der Klinik.
Im Vergleich mit nichtbeschnittenen Frauen ergaben sich für genital verstümmelte Frauen folgende Ergebnisse: Das Risiko für einen Kaiserschnitt, für postpartale Hämorrhagien, einen verlängerten Kranken­haus­auf­enthalt, eine notwendige Reanimation des Kindes, eine Totgeburt oder den frühzeitigen Tod des Neugeborenen war für Frauen mit einer FGM-2- und -3-Beschneidung signifikant erhöht. Dabei lag das relative Risiko für eine Entbindungskomplikation – abhängig von der Schwere der Beschneidung und der untersuchten Komplikation – zwischen 1,21 und 1,98 gegenüber nicht beschnittenen Frauen. Die Risiken erwiesen sich als umso größer, je schwerer die Genitalverletzung war. Se

WHO study group on female genital mutilation and obstretic outcome: Female genital mutilation and obstretic outcome: WHO collaborative prospecitve study in six African countries. Lancet 2006; 367: 1835–41.
Dr. Emily Banks, National Centre for Epidemiology and Population Health, Australien National University, ACT 0200, Australia, E-Mail: FGMStudyGroup@who.int

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