ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2006Auguste Rodin: Ikonen sinnlicher Liebe

KULTUR

Auguste Rodin: Ikonen sinnlicher Liebe

Dtsch Arztebl 2006; 103(43): A-2884 / B-2510 / C-2415

Gold, Dagmar

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Ewiger Frühling Fotos: Ingo Kilian
Ewiger Frühling Fotos: Ingo Kilian
„Als Künstler wie als Mensch kommt es darauf an, bewegt zu sein, zu lieben und zu hoffen.“ (Auguste Rodin)

Ein neuer Blick auf das Bekannte kann zu einem spannenden Erlebnis werden. Die Münchner Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung zeigt in diesem Herbst die Ausstellung „Auguste Rodin. Der Kuss – Die Paare“ und wird dem verbreiteten Bild von Rodin als homme à femmes, wie er zuweilen genannt wurde, eine neue Betrachtung entgegenstellen. Prof. Dr. Anne-Marie Bonnet, Kunsthistorikerin an der Universität Bonn, die seit vielen Jahren das Werk von Rodin erforscht und diese Ausstellung kuratiert, legt einen neuen Blickpunkt auf Rodins bekannte Paardarstellungen nahe. Die Ausstellung unterscheide sich von anderen Ausstellungen dadurch, dass sie ein bisher als solches nicht beachtetes Thema herausstelle und einige alte Ansichten revidiere, betont die Kuratorin. Ausgangspunkt der Ausstellung ist die wegweisende Schöpfung „Der Kuss“. Der Kuss und andere Figurenpaare Rodins wurden zu Symbolen der erotischen Kunst und sorgten für regelmäßige Skandale in der damaligen Gesellschaft. Das Paris der Jahrhundertwende des 19./20. Jahrhunderts war das Zentrum einer an Ausdrucksvielfalt und Experimentierfreude orientierten Kultur, die über ihrer Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen und sexuellen Moralvorstellungen zugleich deren Verletzung mit einkalkulierte. Rodin brach in Kunst und Leben mit gesellschaftlichen Tabus. Sein bewegtes Liebesleben beruht auf dem unkonventionellen Freiheitsdrang, der Liebe zu Frauen, aber auch auf der
Der Kuss
Der Kuss
Notwendigkeit nach fortwährender künstlerischer Inspiration. Das Thema Paar gestattet Rodin, seinen Gefühlen und erotischen Fantasien freien Lauf zu lassen und die Dualität Mann–Frau in ihren verschiedenen Facetten – allegorisch, mythologisch und literarisch – zu thematisieren. Wie viele Künstler war Rodin an der formalen Ebene der Kunst besonders interessiert und suchte nach neuen Ausdrucksformen. In den Paardarstellungen lotet der Bildhauer das kompositorisch Mögliche zweier Figuren aus. Er experimentierte bei einigen Werken frei in der Kombinatorik mehrerer Figuren und Figurenelemente und mit dem Spiel unterschiedlicher Dimensionen. Zahlreiche Zeichnungen, Aquarelle, Fotogravuren und Fotografien begleiten die Ausstellung. Sie erhellen die Arbeitsweise Rodins und zeigen einen künstlerischen Freigeist und Wegbereiter der modernen Kunst jenseits gängiger Klischees.
Dagmar Gold

Angebot für Leser des Deutschen Ärzteblattes: Auguste Rodin, Bronzeplastiken auf Marmorsockel, Auflage 99 Exemplare, Signatur. 1. Der Kuss, 1886, Höhe 24 cm, 1 390 Euro. 2. Ewiges Idol, 1889, Höhe 18,5 cm, 695 Euro. 3. Ewiger Frühling, 1884, Höhe 25 cm, 1 690 Euro. Informationen zur Ausstellung: Auguste Rodin, „Der Kuss – Die Paare". 22. September bis 7. Januar 2007. Hypo-Kunsthalle, München. www.hypo-kunsthalle.de, täglich von 10 bis 20 Uhr. Termine zum Vortrag „Der Kuss – neue Blicke auf alte Ansichten“ unter anderem dort erfragen. Vom 25. Januar bis 9. April 2007 ist die Ausstellung im Museum Folkwang, Essen, zu sehen. Katalog: Auguste Rodin: Der Kuss – Die Paare. Katalog zur Ausstellung in München, Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung, 184 Seiten, kartoniert, 118 Abbildungen, davon 85 farbige. 29,90 Euro. Bestellung über: Deutscher Ärzte-Verlag Edition, Dieselstraße 2, 50859 Köln, Tel. 0 22 34/70 11-3 24, Fax: 70 11-4 76, E-Mail: vsbh@aerzteverlag.de.
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