ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2006Mitteilungen: „UAW-News – International“ – Thrombozytopenie und Vaskulitis durch das Antiparkinsonmittel Pramipexol (Sifrol®)

BEKANNTGABEN DER HERAUSGEBER: Bundes­ärzte­kammer

Mitteilungen: „UAW-News – International“ – Thrombozytopenie und Vaskulitis durch das Antiparkinsonmittel Pramipexol (Sifrol®)

Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft

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LNSLNS Pramipexol (Sifrol®) ist ein Dopamin-2-Rezeptoragonist der 2. Generation (1) und ist zugelassen zur symptomatischen Behandlung des idiopathischen Morbus Parkinson, entweder allein oder in Kombination mit Levodopa, sowie seit Kurzem auch zur symptomatischen Therapie des mittelgradigen bis schweren idiopathischen Restless-legs-Syndroms. Er ist nach Cabergolin (Cabaseril®) der am zweithäufigsten angewandte Dopaminrezeptoragonist. Seine Verordnungshäufigkeit lag 2004 bei 6 Mio. DDD, bei stark steigender Tendenz von plus 27,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr (2).
Italienische Autoren (3) berichten über einen 74-jährigen Mann, der seit drei Wochen Pramipexol in steigender Dosierung erhielt (zuletzt 1,4 mg/Tag). Wegen Hypertonie und Vorhofflimmern wurde der Patient seit längerer Zeit mit Doxazosin, Amiodaron und Warfarin behandelt. Zwei Wochen nach Therapiebeginn bemerkte der Patient erstmals Petechien und ein juckendes Exanthem über der rechten Gesäßhälfte und an beiden Unterschenkeln. Zu diesem Zeitpunkt war das Fibrinogen mit 345 mg/dl normal, die INR betrug 2,7. In den folgenden Tagen verschlechterte sich das Exanthem, und der Patient wurde stationär aufgenommen. Es bestanden eine geringe Leukozytose von 12 300/µl, ein massiv erhöhtes C-reaktives Protein von 117 mg/dl sowie eine Verminderung der Thrombozyten auf 25 000/µl. Im Urin fanden sich mehr als 100/µl dysmorphe Erythrozyten und granulierte Zylinder. Eine Hautbiopsie zeigte eine leukozytoklastische Vaskulitis. Nach Absetzen von Pramipexol kam es zu einer vollständigen Rückbildung des Exanthems sowie der Hämaturie, und die Thrombozytenwerte normalisierten sich. Eine Woche nach Beendigung der Pramipexolgabe konnte der Patient entlassen werden. Das C-reaktive Protein war im Normbereich, und die zuvor vorhandenen Antikörper gegen Plättchen-Glykoprotein IIb/IIIa konnten nicht mehr nachgewiesen werden. Die Autoren schlossen eine ganze Reihe anderer denkbarer Ursachen der Vaskulitis aus.
Im deutschen Spontanmeldesystem (gemeinsame Datenbank von BfArM und AkdÄ, Stand: 9. 2. 2006) sind 123 Verdachtsfälle unerwünschter Arzneimittelwirkungen nach Gabe von Pramipexol erfasst. 65,0 Prozent der Meldungen beziehen sich auf „psychische Störungen“ und 37,4 Prozent auf Störungen des ZNS. Nur 12,2 Prozent der Berichte betreffen das blutbildende und lymphatische System. Hierunter finden sich sechs Fälle einer Thrombozytopenie. Außerdem wird eine Meldung über das Auftreten einer Vaskulitis mit erhöhtem C-reaktiven Protein und Leukozytose ausgewiesen. Ein Bericht über eine Nephritis ist dagegen nicht verzeichnet. Es scheint sich also um eine doch eher sehr seltene UAW zu handeln, die in der Fachinformation (1) bislang nicht aufgeführt wird.
Bitte teilen Sie der AkdÄ alle beobachteten Nebenwirkungen (auch Verdachtsfälle) mit. Sie können dafür den in regelmäßigen Abständen im Deutschen Ärzteblatt auf der vorletzten Umschlagseite abgedruckten Berichtsbogen verwenden oder diesen aus der AkdÄ-Internetpräsenz www.akdae.de abrufen.

Literatur
1. Fachinformation Sifrol® 0,7 mg Tabletten. Stand April 2006.
2. Schwabe U, Paffrath D (Hrsg.): Arzneiverordnungs-Report 2005. Springer Medizin Verlag Heidelberg 2006.
3. Famularo G, Minosola G, De Simone C, Nicotra GC: Vasculitis and nephritis caused by pramipexole, a second generation dopamine agonist. Clin Exp Rheumatol 2004; 22: 785.
Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft, Herbert-Lewin-Platz 1, 10623 Berlin, Postfach 12 08 64, 10598 Berlin, Telefon: 0 30/40 04 56-5 00, Fax: 0 30/40 04 56-5 55, E-Mail: info@ akdae.de, Internet: www.akdae.de
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