ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2006RANDNOTIZ: 100-prozentig daneben
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LNSLNS Eine Fahrt mit dem Auto oder den öffentlichen Verkehrsmitteln durch die Kölner Innenstadt bereitet derzeit wenig Vergnügen. Verschiedene Großprojekte in Verbindung mit den jahreszeitlich üblichen „Das-Geld-muss-noch-schnell-weg“-Baumaßnahmen verursachen – zumindest gefühlt – andauernde Schrittgeschwindigkeit mit Tendenz zum Stillstand. Wie gut, dass es an den bevorzugten Staustellen große Reklametafeln gibt, die im steten Wechsel Balsam für die erschöpften Augen bieten. Junge Menschen freuen sich über ihre neue Standleitung mit dem supergünstigen Tarif, oder eine schwarze Schönheit fordert die Passanten zu „Just be proud“ auf und zeigt dabei ihre Unterwäsche.
Und dann reißt uns auf einmal diese Werbetafel zurück in die Realität: Auf hässlichem Blauton steht dort: „Gesundheit! Die Mitarbeiter der Uniklinik Köln sind hundertprozentig für Sie da.“ Schwach schimmert das Siegel der Universität zu Köln durch das Blau; ein EKG-Verlauf deutet an, dass wir es hier mit Medizin zu tun haben. Man kommt ins Grübeln. Ist die Botschaft deutlich genug? Wäre ein „Wir machen den besten Schnitt“ oder „Mit uns leben Sie länger“ nicht die bessere Werbebotschaft? Wer ist der Adressat dieser ästhetischen Zumutung? Etwa der zukünftige Krankenhauspatient, der seinen Arzt nun nötigt, ihn in dieses Krankenhaus seines Vertrauens zu überweisen? Oder die zuweisenden Ärzte, damit sie mehr Patienten schicken? Vielleicht sollte allen genervten Verkehrsteilnehmern mit dieser positiven Botschaft einfach nur ein gutes Gefühl vermittelt werden. Das ist gründlich misslungen. Eine letzte Frage noch: Wer bezahlt für diesen Unfug?
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