ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2006BMI ist schlechter Prädiktor für Mortalität

MEDIZIN: Referiert

BMI ist schlechter Prädiktor für Mortalität

Dtsch Arztebl 2006; 103(44): A-2946 / B-2565 / C-2466

ME

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LNSLNS Übergewichtige KHK-Patienten haben im Vergleich zu normalgewichtigen keine höhere Gesamtmortalität oder Sterblichkeit aufgrund koronarer Ereignisse. Dies gilt für Personen mit einem BMI von bis zu 35 kg/m2. Hingegen ist das relative Sterberisiko bei schlanken herzkranken Patienten mit einem BMI < 20 kg/m2 um 37 Prozent in Bezug auf die Gesamtmortalität und um 45 Prozent hinsichtlich der koronaren Sterblichkeit erhöht. Andererseits ist bei einem BMI von 25 bis 29,9 kg/m2 die Gesamtmortalität um 13 und die kardiovaskuläre Mortalität um 12 Prozent vermindert.
Dies ist das Ergebnis einer systematischen Übersichtsarbeit, in der die Autoren 40 Kohortenstudien mit mehr als 250 000 Patienten mit koronarer Herzkrankheit ausgewertet hatten. Die berücksichtigten Studien erfüllten folgende Anforderungen: Patienten hatten sich einer perkutanen koronaren Intervention beziehungsweise einer Bypass-Operation unterzogen oder hatten einen Herzinfarkt erlitten. Außerdem musste die Studie mindestens sechs Monate gedauert und Risiken für Mortalität oder KHK-Ereignisse beschrieben haben. Nach Adjustierung hinsichtlich Alter, Geschlecht, Rauchen, Hypertension und anderer Parameter errechneten die Wissenschaftler, dass die Gesamtmortalität sogar von schwer adipösen Patienten (BMI > 35 kg/m2) nicht höher war als die von normalgewichtigen. Bei einem BMI > 35 kg/m2 erhöhte sich allerdings das Risiko für einen kardiovaskulär bedingten Tod auf 1,88. Allerdings warnen die Autoren, aus diesen Ergebnisse zu folgern, dass ein hoher BMI kein kardiovaskulärer Risikofaktor ist. Sie argumentieren wie folgt: Ein niedriger BMI kann durch eine Sarkopenie bedingt sein, die nachgewiesenermaßen mit einer höheren Mortalität assoziiert ist. Andererseits kann Übergewicht und leichte Adipositas teilweise auch auf eine erhöhte fettfreie Körpermasse zurückgeführt werden, die mit einer besseren Fitness einhergeht. Deshalb ist der BMI ein ungenauer Parameter, um zwischen Körperfett und fettfreier Körpermasse zu differenzieren. Außerdem haben Personen mit geringem oder niedrigem BMI weniger kardiovaskuläre Risikofaktoren und wurden in den untersuchten Studien möglicherweise weniger intensiv therapiert als die übergewichtigen Probanden. Der BMI wurde lediglich zu Studienbeginn erfasst. Tendenziell verlieren adipöse Patienten aber nach einem Herzinfarkt Gewicht und normalgewichtige nehmen manchmal zu. Dies könnte bei einem Teil der Probanden zu einer falschen Zuordnung geführt haben.
Die Autoren sind der Auffassung, dass das Taille-Hüfte-Verhältnis das kardiovaskuläre Risiko besser beschreibt als der BMI. Dies gehe aus der INTERHEART-Studie mit fast 30 000 Probanden hervor. Außerdem profitieren KHK-Patienten von einer Diät und körperlichen Aktivität – Maßnahmen, die auch das Gewicht reduzieren. me

Romero-Corral A, Montori VM, Somers VK et al.: Association of bodyweight with total mortality and with cardiovascular events in coronary artery disease: a systematic review of cohort studies. Lancet 2006; 368: 666–78.

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