ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2006Diagnostik und moderne Therapie der Migräne: Schlusswort

MEDIZIN: Diskussion

Diagnostik und moderne Therapie der Migräne: Schlusswort

May, Arne

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LNSLNS Der Beitrag hatte eine überwältigende Resonanz und ich danke für die vielfältigen Hinweise der Kollegen. Die Behandlung von primären Kopfschmerzsyndromen, besonders der Migräne, erfordert einen multidimensionalen und interdisziplinären Ansatz. Das ist der Grund, warum Kopfschmerzambulanzen neben der engen Kooperation mit den Schmerzambulanzen auch immer mit allen anderen Disziplinen zusammenarbeiten (1). Jeglicher Kopfschmerzpatient sollte auch vom Augenarzt gesehen werden, wenn die Differenzialdiagnose Erkrankungen des Auges einschließen. Dasselbe gilt natürlich auch für zahnärztliche und HNO-ärztliche Mitbehandlung. Oft muss man bei sekundären Kopfschmerzsyndromen mit nephrologischen, endokrinologischen, kardiologischen, gynäkologischen und anderen Spezialdisziplinen zusammenarbeiten, um dem Patienten gerecht zu werden. Wichtig ist herauszustreichen, dass Migränepatienten auf viele Substanzen besonders sensitiv ansprechen, was man an den Nebenwirkungen der Migränestudien sieht. So besteht häufig eine orthostatische Dysregulation, die durch Betablocker plötzlich klinisch relevant wird. Migränepatienten reagieren auch auf die Gabe von Antiepileptika anders als Epilepsiepatienten, was eine auf Migränepatienten zugeschnittene Fachinformation des Präparates Topiramat zur Folge hatte. Aus diesen und anderen Gründen rät die neurologische Fachgesellschaft in den aktuellen Leitlinien (2) sich bei Migränepatienten, die zusätzlich an Asthma, Hypotonie oder Diabetes leiden, für eine Alternativmedikation zu Betablockern zu entscheiden, wenn hierfür Gründe vorliegen.
Glücklicherweise gibt es flexible und wirkungsvolle therapeutische Alternativen. Es wäre ideal, wenn klinische Entscheidungen bezüglich der Behandlung von Migränepatienten auf der Basis von drei Parametern beruhen: der kritischen Bewertung von wissenschaftlicher Evidenz, dem klinischen Wissen über den individuellen Patienten und natürlich der persönlichen Präferenz des Patienten (3). In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, dass fehlende Patientencompliance ein wesentlicher Faktor für unwirtschaftliche Therapien darstellen dürfte. Ein Ziel künftiger Studien sollte es daher sein, die komplexen Zusammenhänge zwischen der Therapieakzeptanz seitens der Patienten und einer wissenschaftlich fundierten Therapie weiter zu ergründen und sinnvoll zu verknüpfen (4).

PD Dr. med. Arne May
Institut für systemische Neurowissenschaften
Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg

Interessenkonflikt
PD May wird durch Drittmittel unterstützt oder erhält Gelder für Vortragstätigkeiten von MSD, Glaxo, Almirall, Janssen, Berlin Chemie, AstraZeneca und Pfizer. Die anderen Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.
1.
Goadsby PJ, Lipton RB, Ferrari MD: Migraine – current understanding and treatment. N Engl J Med 2002; 346: 257–70. MEDLINE
2.
Diener H: Therapie der Migräneattacke und Migräneprophylaxe. In: Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. New York, Thieme Verlag 2005; 494–507.
3.
Leinisch-Dahlke E, Akova-Ozturk E, Bertheau U, Isberner I, Evers S, May A: Patient preference in clinical trials for headache medication: the patient's view. Cephalalgia 2004; 24: 347–55. MEDLINE
4.
May A: Editorial – Die Zukunft der Kopfschmerzen. Schmerz 2004; 18: 349–50. MEDLINE
1. Goadsby PJ, Lipton RB, Ferrari MD: Migraine – current understanding and treatment. N Engl J Med 2002; 346: 257–70. MEDLINE
2. Diener H: Therapie der Migräneattacke und Migräneprophylaxe. In: Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. New York, Thieme Verlag 2005; 494–507.
3. Leinisch-Dahlke E, Akova-Ozturk E, Bertheau U, Isberner I, Evers S, May A: Patient preference in clinical trials for headache medication: the patient's view. Cephalalgia 2004; 24: 347–55. MEDLINE
4. May A: Editorial – Die Zukunft der Kopfschmerzen. Schmerz 2004; 18: 349–50. MEDLINE

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