ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2006Gesundheitstelematik: Ärzte überwiegend skeptisch

POLITIK

Gesundheitstelematik: Ärzte überwiegend skeptisch

Dtsch Arztebl 2006; 103(44): A-2910 / B-2534 / C-2438

Krüger-Brand, Heike E.

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LNSLNS Nach einer Umfrage unter Leistungserbringern im Gesundheitswesen sehen sich die Ärzte über das Projekt „Gesundheitskarte“ gut informiert. Die Risiken werden jedoch größer bewertet als der mögliche Nutzen.

Im Rahmen ihrer Initiative „Eine Revolution verstehen. Wie die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte realisiert wird!“ haben der Bundesverband Deutscher Volks- und Betriebswirte e.V. (bdvb), Düsseldorf, und das ZTG – Zentrum für Telematik im Gesundheitswesen, Krefeld, eine Umfrage bei den Leistungserbringern zur elektronischen Gesundheitskarte (eGK) durchgeführt. Die Ergebnisse wurden bei einer Podiumsdiskussion mit Experten aus Politik und Wirtschaft in Duisburg vorgestellt. Zwar ist die Umfrage aufgrund des geringen Fragebogen-Rücklaufs statistisch nicht repräsentativ, doch liefern die Antworten immerhin ein Stimmungsbild. In die Auswertung der Umfrage, die von Mitte Juli bis Mitte Oktober 2006 lief, konnten 367 Fragebögen einbezogen werden. Geantwortet haben 175 Apotheker, 116 niedergelassene Haus- und Fachärzte, 31 Zahnärzte und 45 Angehörige anderer Bereiche des Gesundheitswesens. Die Altersverteilung und die geografische Verteilung der Teilnehmer waren repräsentativ.
Der Umfrage zufolge schätzt ein Drittel der Ärzte den eigenen Informationsstand, was das Telematikprojekt betrifft, als gut bis sehr gut ein, und knapp die Hälfte fühlt sich ausreichend informiert. Nur ein Fünftel der Ärzte, jedoch fast die Hälfte der Apotheker, sehen sich dagegen noch unzureichend informiert. Gefragt wurde darüber hinaus nach Risiken und Chancen im Hinblick auf die Pflichtanwendungen und die elektronische Patientenakte. „An erster Stelle der Risiken bewerteten die Ärzte die Anschaffungskosten für die technische Infrastruktur, an zweiter Stelle die Möglichkeit technischer Pannen und an dritter Stelle die persönlichen Nachteile durch höhere Betriebskosten und Mehraufwand“, betonte Dr. Christoph von Rothkirch von der Fachgruppe Gesundheitsökonomie im bdvb. Als weniger wichtig im Risiko-Ranking seien dagegen Aspekte des Datenschutzes und mögliche Konflikte durch mehr Leistungstransparenz bewertet worden.
Bei der Einschätzung des Nutzens stand für die Ärzte die Verringerung des Kartenmissbrauchs an erster Stelle, gefolgt von der Vermeidung von Doppeluntersuchungen, einer optimierten Arzneimitteltherapie und der besseren Kommunikation der Leistungserbringer untereinander (Grafik). Vorteile durch weniger Verwaltungsaufwand und Arbeitserleichterungen durch die neuen Technologien erwartet hingegen nur eine Minderheit. Ein Nutzen durch die Gesundheitskarte wird von der Hälfte der Ärzte und Apotheker gesehen, soweit er Aspekte der Missbrauchseindämmung und der Behandlungsqualität betrifft. Generell, so von Rothkirch, bewerteten die Ärzte die Risiken stärker und die Chancen geringer als die Apotheker.
Auffallend zurückhaltend mit nur 15 Rückläufen haben sich Mitarbeiter aus Krankenhäusern an der Umfrage beteiligt. Dies ist nach Einschätzung der Experten wohl darauf zurückzuführen, dass das Thema eGK – zum Beispiel gegenüber der Einführung des DRG-Abrechnungssystems – im stationären Sektor bislang nur eine marginale Rolle spielt. Außerdem erwarten die Häuser kaum Veränderungen durch die eGK – im Unterschied zur Einführung der elektronischen Heilberufsausweise, die sich auf die interne Infrastruktur der Krankenhäuser wesentlich stärker auswirken wird.
Informationsoffensive
Inzwischen haben die Spitzenverbände im Gesundheitswesen europaweit einen PR-Auftrag ausgeschrieben, um die Versicherten auf das eGK-Projekt einzustimmen und ihnen die Vorteile der Karte verständlich zu machen. Darauf verwies Dr. Robert Paquet vom BKK-Bundesverband Berlin. Im Rahmen des Projekts werde man auch Informationsbroschüren, Anzeigen, Faltblätter und Ähnliches entwickeln, welche den Krankenkassen für ihre Versicherten, aber auch Ärzten und Apothekern zur Verfügung gestellt werden sollen. Bislang werde die PR-Kampagne zu bürokratisch angepackt, mahnte hingegen der Gesundheitsexperte Dr. Manfred Zipperer. Es sei noch nicht gelungen, die Frage zu beantworten: „Was hat die eGK für mich für einen Nutzen?“
Informationen unter www.bdvb.de und www.ztg-nrw.de. Heike E. Krüger-Brand
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