ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2006Unterschätzte Suizidraten durch unterschiedliche Erfassung in Gesundheitsämtern: Regel und übliches Vorgehen

MEDIZIN: Diskussion

Unterschätzte Suizidraten durch unterschiedliche Erfassung in Gesundheitsämtern: Regel und übliches Vorgehen

Dtsch Arztebl 2006; 103(44): A-2956 / B-2574 / C-2475

Wedig, Martin P.

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LNSLNS Die Gruppe um Vennemann bestätigt örtlich verschiedene Erfassungen von Suizidraten in fünf Gesundheitsämtern. Die Auswahl der Ämter (Losverfahren) beziehungsweise die Selektionsmechanismen nach der Auswahl (abgelehnte Teilnahme) sollten ergänzt werden. Die Halbierung der Suizidmeldungen in den Gemeinden C bis E mit mehr als 100 000 Einwohnern sollte in den Gesundheitsämtern zu einer Reflexion und Datenrecherche geführt haben. Vennemann et al. belegen, dass einfache Maßnahmen, wie die Einsichtnahme in den Totenschein, die Schwundquote klären können.
In der Tabelle 1 wurde eine „inverse Beziehung zwischen [den Suizidraten und den Raten unklarer Todesfälle] am Beispiel des bevölkerungsreichsten Bundeslandes Nordrhein-Westfalen für die Jahre 1998 bis 2002“ diskutiert. Hier wurde eine lineare Korrelation ermittelt (1998 bis 2002: y = -5,63-mal 75,1; R2 = 0,68 und 1999 bis 2002: y = -30,59-mal 204,8; R2 = 0,93). Nur ein linearer Zusammenhang, wie er in den amtlichen Daten gefunden wird, kann invers und im fachlichen Sinne reziprok sein. Ab 1999 nimmt die Korrelation hinsichtlich der zunehmenden Suizidraten bei abnehmenden unklaren Todesursachen zu.
Eine Änderung der Handhabung der Erfassung von 1999 gegenüber 1998 sollte recherchiert werden. Die Klassifizierung von Todesursachen nach ICD-10-GM unterlag in den Jahren 1999 bis 2006 auch veränderten Handhabungen. Es sei daran erinnert, dass das Sozialgesetzbuch V die Anwendung des ICD-10 der WHO in der Bundesrepublik Deutschland einschränkt. Darüber hinaus wurden weitere Codes in den öffentlich zugänglichen Dateien und Druckwerken ausgegliedert.
Neben der erheblich differierenden Zahl der Meldung von Todesursachen sollte auch recherchiert werden, ob in einigen Zeiträumen unterschiedliche Regeln für die Kodierung galten. Gesundheitsindikatoren müssen versagen, wenn Meldungen von Krankheiten und Verdachtsfällen durch örtliche Ämter anderen Kategorien zugeordnet werden.

Dr. med. Martin P. Wedig
Roonstraße 86, 44628 Herne

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