ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2006Gesundheitsreform/Vertragsärzte: Korrekturen möglich

POLITIK

Gesundheitsreform/Vertragsärzte: Korrekturen möglich

Dtsch Arztebl 2006; 103(44): A-2914 / B-2537 / C-2440

Rabbata, Samir

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LNSLNS Das Gesetzgebungsverfahren für die Gesundheitsreform hat begonnen. Die Union erklärt, sie wolle dabei Forderungen der KVen berücksichtigen.

Dass es im Rahmen der gerade begonnenen parlamentarischen Beratungen zur Gesundheitsreform noch zu größeren Änderungen der Regierungspläne kommt, gilt als ausgeschlossen. Nachbesserungen an der einen oder anderen Stelle des Gesetzentwurfs sind jedoch möglich. Dies gab der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion, Wolfgang Zöller (CSU), bei einer Fachveranstaltung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) in Berlin zu verstehen. Zöller stellte klar, Korrekturen seien insbesondere bei der Ausgestaltung alternativer Versorgungsformen möglich. So sollten die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) bei der integrierten Versorgung als Vertragspartner auftreten dürfen. Im Gesetzgebungsverfahren werde die Union entsprechende Änderungen anstreben, kündigte Zöller an.
Der Gesetzentwurf sieht bislang vor, dass die KVen sowohl bei der integrierten Versorgung als auch bei der hausarztzentrierten Versorgung nicht als Vertragspartner agieren dürfen. Sie können auch nicht über die von ihnen gegründeten Dienstleistungsgesellschaften einbezogen werden. Die politisch immer wieder betonte Wettbewerbsorientierung werde so vollständig aufgehoben, kritisierte der Vorstandsvorsitzende der KBV, Dr. med. Andreas Köhler. Würde der Entwurf umgesetzt, gäbe es künftig zwar einen wettbewerblichen Sektor mit Sonderverträgen. Zu diesem hätten aber allenfalls ausgewählte Akteure Zugang. „Den KVen bliebe nur noch die Rolle des Resteverwerters“, sagte Köhler.
Als Auslaufmodell möchte er die ambulante Versorgung heutiger Prägung dennoch nicht verstanden wissen. Bei der KBV-Veranstaltung führte Köhler aus, dass es insbesondere in Ballungsräumen und bei hoch spezialisierten Fächern zu neuen Formen der Zusammenarbeit kommen werde. „Deshalb ist die Einzelpraxis aber noch lange nicht tot“, sagte Köhler. Gerade auf dem Land gebe es keine Alternative zum niedergelassenen Freiberufler. Zumal die KVen die Ertragsgrundlage von Ärzten in dünn besiedelten Regionen mit Investitionshilfen und Punktwertgarantien sicherten.
Anders sah dies Dr. Michael Philippi, Geschäftsführer der Sana-Managementgesellschaft. Gerade in der Fläche seien Einzelpraxen auf Dauer nicht überlebensfähig. Doch nicht die Versorgung werde verschwinden, sondern die gegenwärtigen Ineffizienzen. Einzelpraxen könnten nur dann wirtschaftlich geführt werden, wenn sie Teil eines Netzwerkes unter Einbeziehung von Krankenhäusern würden.
Dass Ärzte hierfür nicht unbedingt ihre Freiberuflichkeit aufgeben und sich in ein Angestelltenverhältnis begeben müssten, hob Dr. Wolfram Otto, Leiter des Polikums Berlin-Friedenau, hervor. In seinem Gesundheitszentrum sei schon jetzt die elektronische Patientenakte realisiert. Dieses Modell ließe sich auch auf die Versorgung in der Fläche übertragen. Krankenhäuser, Medizinische Versorgungszentren und Hausärzte könnten die Patientenversorgung durch eine elektronische Vernetzung effizienter gestalten.
Samir Rabbata
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