ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2006Ärzte im Nationalsozialismus: Preis für wissenschaftliche Forschung ausgeschrieben

POLITIK

Ärzte im Nationalsozialismus: Preis für wissenschaftliche Forschung ausgeschrieben

Gerst, Thomas

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Ausgrenzung: Vor der Vernichtung wurde die Ausgrenzung und Entrechtung der jüdischen Bevölkerung zielstrebig umgesetzt.
Ausgrenzung: Vor der Vernichtung wurde die Ausgrenzung und Entrechtung der jüdischen Bevölkerung zielstrebig umgesetzt.
Gemeinsam mit dem Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium wollen Bundes­ärzte­kammer und Kassenärztliche Bundesvereinigung die Aufarbeitung der Geschichte der Ärzte im Nationalsozialismus fördern.

Seit Juli 2005 engagieren sich Bundes­ärzte­kammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Deutscher Ärzte-Verlag und Kassenärztliche Vereinigung (KV) Berlin in dem wissenschaftlichen Projekt „Anpassung und Ausschaltung – Die Berliner Kassenärztliche Vereinigung im Nationalsozialismus“. Dr. med. Manfred Richter-Reichhelm, ehemaliger Vorsitzender von KBV und KV Berlin, war wesentlich an dessen Zustandekommen beteiligt.
Zusammen mit dem Staatssekretär im Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium (BMG), Dr. Klaus Theo Schröder, gab Richter-Reichhelm in der Vorbereitungsphase des Projekts den Anstoß zur Ausschreibung eines Forschungspreises durch BMG, BÄK und KBV. Mit einem Preisgeld in Höhe von insgesamt 10 000 Euro sollen eine oder mehrere wissenschaftliche Arbeiten zum Thema „Aufarbeitung der Geschichte der Ärzte in der Zeit des Nationalsozialismus“ ausgezeichnet werden. Insbesondere die Medizinstudierenden sollen während des Studiums zur Beschäftigung mit dem Thema angeregt werden. Die Ausschreibenden wollen den Blick auf historische Untersuchungen lenken, die sich vorbildlich mit dem Handeln der Ärzte in der NS-Zeit auseinandersetzen. Richter-Reichhelm äußerte die Hoffnung, den Forschungspreis dauerhaft einrichten zu können. In diesem Jahr sei die Zeit zu eng bemessen, um neue Forschungsvorhaben anregen zu können. Er verwies jedoch auf eine Reihe von Forschungsarbeiten aus den vergangenen Jahren, die für eine Prämierung infrage kämen.
An der Ausschreibung teilnehmen können:
- Ärzte und Psychotherapeuten als Einzelpersonen
- Kooperationen oder Gemeinschaften von Ärzten und Psychotherapeuten
- Wissenschaftler und Studenten medizinischer Fakultäten.
Als „Diener der Volksgesundheit“ begrüßten die ärztlichen Berufsverbände 1933 „freudigst“ die Machtübernahme durch die Nationalsozialisten.
Als „Diener der Volksgesundheit“ begrüßten die ärztlichen Berufsverbände 1933 „freudigst“ die Machtübernahme durch die Nationalsozialisten.
Jeder Teilnehmer und jede Arbeitsgruppe kann sich mit je einer Arbeit bewerben. Die Arbeiten müssen in deutscher Sprache verfasst sein. Es werden nur Arbeiten berücksichtigt, die ab dem Jahr 2000 erstellt wurden. Die ausschreibenden Institutionen haben das Recht, aus den eingereichten Arbeiten in schriftlicher und elektronischer Form zu veröffentlichen. Die Bewertung der Arbeiten und die Ermittlung der Preisträger erfolgt durch eine unabhängige Jury, die sich aus Vertretern der ausschreibenden Institutionen (BMG, BÄK, KBV), des Zentralrates der Juden in Deutschland sowie des Verbandes der jüdischen Ärzte und Psychotherapeuten zusammensetzt.
Thomas Gerst

Bewerbungen
bis zum Einsendeschluss am 4. Dezember 2006 an:
Kassenärztliche Bundesvereinigung
GIMO – Herrn Roland Ilzhöfer
Herbert-Lewin-Platz 2
10623 Berlin
E-Mail: rilzhoefer@kbv.de

Die Jury tagt nicht öffentlich.
Alle Teilnehmer erhalten nach der Entscheidung der Jury eine schriftliche Nachricht. Die Preisvergabe findet im Jahr 2007 statt.
Die Preisverleihung erfolgt unter Ausschluss des Rechtsweges.
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