ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2006EU für bessere Brustkrebsversorgung

MEDIZINREPORT

EU für bessere Brustkrebsversorgung

Spielberg, Petra

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LNSLNS Das Europaparlament hat fraktionsübergreifend an die EU-Staaten appelliert, für Frauen zwischen 50 und 69 Jahren ein „flächendeckendes Mammographie-Screening einzuführen". Die Reihenuntersuchungen müssten jedoch „europäischen Qualitätskriterien entsprechen“, so die Forderung aus Brüssel. Das Programm wird bisher flächendeckend nur in elf von 25 EU-Staaten durchgeführt. Doch nur die wenigsten halten dabei alle Qualitätsregeln ein. In einer 20 Punkte umfassenden Entschließung forderte das Parlament eine bessere Informations- und Berichtspolitik, die europaweite Einrichtung von nach EU-Leitlinien zertifizierten Brustkrebszentren bis 2016, eine bessere Präventionsforschung unter Einbeziehung schädlicher Chemikalien, Umweltbelastungen und anderer Einflüsse, die Förderung der beruflichen Integration kranker Frauen sowie die Entwicklung neuer Therapien.
Das ist ein ehrgeiziger Plan. Denn ein am 19. Okober in Brüssel veröffentlichter Bericht über Krebsversorgung in Europa zeigt auf, dass der Leistungsumfang in Ländern und Regionen sehr unterschiedlich ist. Danach haben Patienten aus niedrigeren sozioökonomischen Bevölkerungsschichten und aus ländlichen Gebieten in begrenzterem Maß Zugang zu hochwertigen Behandlungen. Der Bericht, verfasst von Rifat Atun, Professor für internationales Gesundheitsmanagement am Londoner Imperial College, kommt zu dem Schluss, dass die Überlebensraten weit unter der Zahl liegen, die erreicht werden könnte.
Wie lange ein Krebspatient in Europa überlebt, hängt auch davon ab, wo er lebt. Die 5-Jahres-Überlebensrate in einzelnen EU-Ländern schwankt erheblich, um bis zu 27 Prozent. „Zudem gibt es ein klares West-Ost-Gefälle", sagte Atun in Brüssel. Als ein wesentlicher Grund für die unterschiedlichen Überlebenschancen gelten die verschieden hohen Investitionen in die Prävention und Behandlung. In Norwegen beispielsweise betragen die durchschnittlichen Ausgaben für einen Krebspatienten 191 Euro. Das polnische Gesundheitssystem investiert pro Kopf lediglich 34 Euro. Das Ungleichverhältnis spiegelt sich auch in der Bereitstellung innovativer Arzneimittel wider. ps

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