ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2006Pflegemuseum: Ein Krankenzimmer mit alten Utensilien

KULTUR

Pflegemuseum: Ein Krankenzimmer mit alten Utensilien

Reisch, Ulrike

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Foto: Klinikum der Universität München
Foto: Klinikum der Universität München
Die Ausstellung spiegelt die wechselvolle Geschichte der Krankenpflege wider.

Seit Kurzem gibt es in der zentralen Eingangshalle am Standort Großhadern des Klinikums der Universität München ein Pflegemuseum. Das Projekt wurde von Pflegedirektor Peter Jacobs initiiert, dessen private Sammlung auch die Basis der Ausstellung ist. Schon als Schüler an der Krankenpflegeschule hat er erste Exponate gesammelt, heute reichen seine Schätze vom Bronchitiskessel aus dem Jahr 1900 bis zum Betäubungsgerät aus den Anfängen der Anästhesie. „Das noch kleine Museum ist ein Anfang, der aber deutlich die Wertschätzung des Vorstandes gegenüber den Krankenschwestern und Krankenpflegern an einem Hause universitärer Maximalversorgung zum Ausdruck bringt“, sagt Jacobs, der selbst auch Spendengelder für das Museum akquiriert hat.
Die Geschichte der Krankenpflege lässt sich bis in die Frühzeit zurückverfolgen. Die Anfänge der organisierten Pflege wurden mit dem Christentum in der späten Antike begründet. Im späten Mittelalter lag die Pflege vor allem in den Händen von Ordensschwestern und -brüdern. Im Jahr 1782 wurde die erste Krankenpflegeschule eingerichtet. Im 19. Jahrhundert musste die Pflege neu organisiert werden: Ordenshäuser auf katholischer Seite und Diakonissenvereine auf der evangelischen Seite übernahmen diese wichtige Aufgabe. 1836 gründete Theodor Fliedner (1800–1864) den Rheinisch-Westfälischen Diakonissenverein und schuf damit im Bereich der evangelischen Kirche die erste größere Organisation auf dem Gebiet der Krankenpflege. Die erste Pflegetheoretikerin war Florence Nightingale (1820–1910), die der Krankenpflege schließlich den Status eines erlernbaren sozialen Berufes erkämpfte.
Heute reicht das Ausbildungsspektrum von der dreijährigen Lehre bis hin zu Pflegestudiengängen an Fachhochschulen und Universitäten. Die wechselvolle Geschichte der Krankenpflege spiegelt auch das neue Museum wider. Den Rahmen der Ausstellung bildet ein altes Krankenzimmer, den Mittelpunkt bilden dabei ein Krankenbett und Nachttischchen aus der Jahrhundertwende sowie zwei Krankenschwesternpuppen – eine Ordensschwester in Arbeitstracht sowie eine dem Agnes-Karll-Verband zugehörige Schwester in Arbeitstracht. Agnes Karll (1868–1927) war im Jahr 1903 die Mitbegründerin der ersten Ortsgruppe der „Berufsorganisation der Krankenpflegerinnen Deutschlands“. Heute heißt dieser Berufsverband „Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe“.
Um das Krankenzimmer herum gruppieren sich alte Utensilien wie Lagerungshilfsmittel, Blutdruckmessgeräte und Fieberthermometer. Der Bronchitiskessel von 1900 wurde zum Verdampfen von Medikamenten oder ätherischen Ölen benutzt. Damit war allerdings nur die Befeuchtung von Mund- und Rachenschleimhaut möglich. „Inzwischen werden dem Museum zunehmend Exponate geschenkt wie beispielsweise die Arbeitstracht einer Ordensschwester, die von der Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul gespendet wurde“, erzählt Jacobs.
Einschüchternd wirkt ein Glas-Irrigator aus dem Jahr 1880, den Jacobs für zehn Euro über ebay ersteigerte. Bis ins 19. Jahrhundert waren Einläufe ein oft verordnetes Allheilmittel. Zur Beruhigung kann man daneben die heute gängigen Fertigklistiere aus Plastik betrachten. „Wir wollen mit der Präsentation ,Damals – Heute‘ den Fortschritt in der Pflege sichtbar machen, der letztendlich den Patienten zugute kommt“, benennt Jacobs das Ziel des Museums.
Das Pflegemuseum soll künftig durch ein virtuelles Pflegemuseum im Internet erweitert werden.
Ulrike Reisch


Weitere Informationen bei der Pflegedirektion des Klinikums der Universität München unter den Telefonnummern 0 89/70 95-21 21 oder 0 89/51 60-80 18.
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