ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2006Aortenstenosen: Studie prüft präventive Wirkung von Statinen

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Aortenstenosen: Studie prüft präventive Wirkung von Statinen

Dtsch Arztebl 2006; 103(44): A-2964 / B-2582

Bischoff, Angelika

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LNSLNS Die Aortenstenose ist ein inflammatorischer Prozess, der vieles mit der Atherosklerose gemeinsam hat, zum Beispiel das LDL-Cholesterin als wichtigen Risikofaktor. Deshalb ist es wahrscheinlich, dass Statine auch die Progression der Aortenstenose aufhalten können. Diese Hypothese wird in der SEAS(Simvastatin und Ezetimibe bei Patienten mit Aortenstenose)-Studie geprüft.
Statine greifen in Entzündungsvorgänge ein
Eine symptomatische Aortenstenose muss operiert werden. Aber im asymptomatischen Stadium kann in den aktiv regulierten Prozess mit Matrix-Remodelling und Bio-Mineralisierung möglicherweise medikamentös eingegriffen werden. Entzündliche Prozesse mit Leukozyteninfiltration, Expression von Adhäsionsmolekülen und Anstieg des CRP-Spiegels spielen wie bei der Atherosklerose eine wichtige Rolle. Zu den Risikofaktoren gehören neben dem hohen Lebensalter männliches Geschlecht, Rauchen, Hypertonie und Hyperlipidämie.
Statine senken nicht nur den Cholesterinspiegel, sondern greifen auch auf verschiedenen molekularen Wegen in Entzündungsvorgänge ein. In vitro konnte gezeigt werden, dass Statine die durch Entzündungsmediatoren induzierte Kalzifikation von glatten Gefäßmuskelzellen und von Myofibroblasten der Aortenklappe hemmen. Trotz vielversprechender experimenteller Ergebnisse und retrospektiver Studien hat die bisher einzige prospektive randomisierte Studie (N Engl J Med 2005; 352: 2389–97) keinen Nutzen einer kurzzeitigen Hochdosis-Statintherapie bei Patienten mit Aortenstenosen verschiedener Schweregrade zeigen können.
In der SEAS-Studie erhielten Patienten mit asymptomatischer Aortenstenose 40 mg Simvastatin und 10 mg Ezetimib pro Tag, erläuterte Dr. Anne B. Rossebo (Oslo). Es soll geprüft werden, ob diese Therapie größere kardiovaskuläre Ereignisse inklusive Klappenoperationen hinausschieben kann. In zweiter Linie wird mittels Echokardiographie geprüft, ob die Progression der Aortenstenose gebremst wird. Bisher sind 1 873 Patienten randomisiert. Das Kollektiv zeigt eine hohe Prävalenz atherosklerotischer Risikofaktoren.
Zwischen ein und zwei Drittel
der Patienten mit Aortenstenose wiesen eine Hypertonie auf, berichtete Prof. Kristian Wachtell (Kopenhagen). Doch die Therapie der Hypertonie – insbesondere mit Vasodilatatoren – wird mit dem Problem konfrontiert, dass sie bei Patienten mit Aortenstenose zu einer Einschränkung des koronaren und renalen Blutflusses führen kann. Vasodilatatoren werden deshalb häufig auch als kontraindiziert betrachtet, obwohl die Patienten sie eigentlich wegen ihres hohen kardiovaskulären Risikos dringend nötig hätten.
In der Realität werden aber rund 40 Prozent der Aortenstenose-Patienten mit ACE-Hemmern behandelt. Die wenigen verfügbaren Daten weisen darauf hin, dass dies kein Problem darstellt. So wird zwar die Nachlastsenkung durch ACE-Hemmer durch einen parallelen Anstieg des Druckgradienten aufgehoben, wie eine kleine Studie zeigt. Aber ACE-Hemmer wirken sich bei den meisten Hypertonikern positiv auf die hämodynamische Funktion bei Belastung aus. Durch einen Dobutamin-Stress-Test lässt sich die Beziehung zwischen systolischer Funktion und Aortengradient während Be- und Entlastung bestimmen. Noch wichtiger als bei Patienten ohne Aortenstenose ist die regelmäßige Bestimmung des Serum-Kreatinins.
Dr. med. Angelika Bischoff

German/Scandinavian Symposium on New Aspects of Degenerative Aortic Stenosis (AS); unterstützt von MSD Sharp & Dohme anlässlich des Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie, in Mannheim
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