ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2006Organspenden: Finanzielle Zuwendung
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Den Aufruf des Bundesaußenministers Frank-Walter Steinmeier zu einer Intensivierung der Organspende kann man nur begrüßen. Seinen Schluss, dass wir die Kluft zwischen Organangebot und -nachfrage bessern müssen, ist richtig. Meines Erachtens ist dies mit besserer Information und breiterer gesellschaftlicher Basis für Organspenden allein nicht zu schaffen. Auch die Forderung des Implantationschirurgen, Herrn Prof. Broelsch, nach einem anderen Gesetz kann ich nicht nachvollziehen . . . Die Probleme liegen völlig anders. Der Hirntod muss von mehreren fachkundigen Ärzten festgestellt und dokumentiert werden. Dazu benötigt der Arzt nicht nur Kraft, sondern auch sehr viel Zeit. Er muss den Hinterbliebenen nicht nur das furchtbare Ereignis mitteilen, sondern gleichzeitig die meist überraschende Frage nach einer Organentnahme besprechen. Dieser Vorgang dauert nicht selten etliche Stunden, weil die Hinterbliebenen berechtigt mit anderen Familienangehörigen diese Problematik besprechen wollen. Der Arzt fällt diverse Stunden für den Routinebetrieb aus. Es müssen Gespräche mit dem Transplantationszentrum, den Pflegekräften, dem Krankenhauspastor und unter Umständen mit der Ethikkommission geführt werden. Diese Stationen können heute nicht mehr verkürzt werden. Bekommt man von den Hinterbliebenen schließlich eine Explantationszusage, geschieht das nicht selten unter dem Vorbehalt, dass der Verstorbene zur Organentnahme nicht noch einmal in ein anderes Krankenhaus verlegt werden soll. Die Explantationsmediziner müssen zur Organentnahme anreisen. Die eigenen Ärzte, Schwestern und Pfleger bleiben selbstverständlich über Stunden dabei. Der OP muss hinterher geputzt und desinfiziert werden. Ist es nicht verständlich, dass eine solche intensive Zusatzarbeit von Verwaltung und auch ärztlichen Kollegen abgelehnt wird, weil das sehr ausgedünnte Personal nach dieser Belastung anschließend einem vollen Arbeitstag nicht mehr gewachsen ist? . . . Ich schlage vor, darüber nachzudenken, ob es nicht besser wäre, dem Organ entnehmenden Krankenhaus für jede Organspende eine adäquate finanzielle Zuwendung zukommen zu lassen. Damit könnte eventuell die Stimmung von Verwaltung und leitenden Kollegen verbessert werden. So wäre auch letztendlich den Patienten geholfen, die dringend auf ein Organ warten.
Dr. Rainer Wrbitzky, Am Hubertushain 8 A, 57250 Netphen
In einer ganzheitlichen Therapie erholen sich transplantierte Kinder und Jugendliche auf dem Ederhof in Tirol. Foto: Ederhof
In einer ganzheitlichen Therapie erholen sich transplantierte Kinder und Jugendliche auf dem Ederhof in Tirol. Foto: Ederhof
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema