ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2006Nationaler Ethikrat: Vorschläge nicht genug praxisbezogen
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Der Ethikrat macht Vorschläge, die mir in der Praxis wenig helfen. Hilfreich wären Entscheidungshilfen für häufige typische Situationen des Alltags der Hausarztpraxis wie folgender Fall der letzten Tage: 97-jährige Patientin. Sie ist polimorbid, schon mehrfach kardial dekompensiert, dement, bettlägerig, inkontinent. Da sie die Nahrungsaufnahme verweigerte, war sie exsikkiert und wurde deshalb am Wochenende stationär in die Klinik eingewiesen. Nun soll eine PEG gelegt werden. Als seit 20 Jahren betreuender Hausarzt lehne ich dies ab und plädiere für ein Sterben in Würde, wie ich es meinen Patienten verspreche. Da die Patientin nicht einwilligungsfähig ist, werden die Angehörigen in die Klinik einbestellt. Diese lehnen zunächst ab, weil die alte Dame immer Wert auf Stil und Würde legte. Man erklärt ihnen jedoch, dass sie die Mutter und Oma doch nicht verhungern und verdursten lassen können, da dies einen qualvollen Tod bedeuten würde. Dies will man natürlich nicht und willigt ein. Ergebnis: Die 97-Jährige wird wieder mit PEG ins Altersheim zurückverlegt. Sie liegt somnolent im Bett, schreit laut bei jeder Berührung und Bewegung der kontrakten Gelenke. Urin und Stuhl fließen permanent in die Windel. Muss ich jetzt durch Anordnung der Sondenernährung diesen für meine Begriffe menschen-unwürdigen Zustand verlängern?
Dr. med. Ulrich Hasler, Bahnhofstraße 3, 79395 Neuenburg
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