ArchivDeutsches Ärzteblatt9/1997Börsebius zu Krediten (I): Vorsicht, Haie!

VARIA: Schlusspunkt

Börsebius zu Krediten (I): Vorsicht, Haie!

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Seit Seehofer wird arg viel geredet über die existentielle Bedrohung des Arztberufes. Wenn das alles so weiterginge, stünden nicht wenige Praxen vor dem Ruin, künden mahnende Stimmen.
Dabei wird leicht übersehen, daß das Damoklesschwert bereits über so manchem schwebt und das Seil, welches den Fall eben noch verhindert, immer splissiger wird. Es gibt jede Menge Ärzte, denen das finanzielle Wasser bereits bis zum Hals steht und über denen der Pleitegeier lauernd seine Kreise zieht, der baldigen Beute sicher.
Die Gründe für die Misere mögen sicher auch mit der Entwicklung im Gesundheitswesen zusammenhängen, haben oft aber genauso mit betriebswirtschaftlichen Minderkenntnissen und Torheiten in der privaten Geldanlage zu tun. Besonders schlimm, daß sich nun so manches havarierte Steuersparmodell als Liquiditätsfresser entpuppt.
Es gilt aber jetzt nicht, besserwissend den Finger zu heben, dazu haben die Betroffenen viel zu viele Sorgen. Schließlich kommt bei ihnen auch noch tiefe Scham hinzu, die verhindert, daß in einer solchen Situation um professionelle Hilfe ersucht wird. Das ist so, leider.
Auf jene Augenblicke, wo man nicht mehr weiterweiß, warten Kredithaie mit Freude. Obwohl es eine infame Bosheit ist, Menschen zu betrügen, die finanziell am Ende sind, finden diese Herren immer wieder ihre Opfer. Dabei kommt ihnen gelegen, daß sie durchaus seriös auftreten. Edles Büro, teure Karossen und Nobelanzug gehören bei denen zum normalen Outfit.
Ich meine an dieser Stelle nicht die vergleichsweise "harmlosen" Zeitungsannoncen, wo interessante Kredite annonciert werden und gegen Nachnahme von ein paar hundert Mark wertloser Papiermüll zugesandt wird. Dieser Reinfall ist zwar ärgerlich, eine Eselei sowieso, aber der Ausfall eben nicht existenzbedrohend.
Die cleveren Kredithaie gehen anders vor. Per Fax gibt es einen Vertrag über große Summen mit Superzinsen, erstaunlich niedrig also. Das kann über mehrere hunderttausend Mark gehen, und auch ein Kredit über eine Million Mark ist kein Problem, man habe schließlich die "allerbesten Verbindungen".
Ein paar Tage später folgt per Post der gleiche Vertrag, ein wunderbares Dokument mit Siegel und allen Schikanen und einem festen Auszahlungstermin. Das Geld könne man sofort einstreichen, wenn zuvor eine "Wirtschaftlichkeitsanalyse" durchgeführt und die dafür fällige Provision vorab bezahlt würde. Dann stünde dem finanziellen Glück nichts mehr im Wege. Ich habe Fälle erlebt, in denen für diese Analyse die letzten Quellen angezapft und locker 50 000 Markt bezahlt wurden.
Der Kredit allerdings kam nie. Fazit: Selbst in der größten Not gibt es andere Wege als diesen. Darüber mehr in der nächsten Folge. Börsebius
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