ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2006Psychotherapie: Emotionaler Machtmissbrauch
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Zu Ihrem o. g. Bericht, den ich mit großer Anteilnahme gelesen habe, möchte ich Ihnen u. a. aus eigenem Erleben berichten. (Ich habe über den emotionalen Missbrauch in meiner Therapie ein Buch unter meinem Mädchennamen Akoluth, Unordnung und spätes Leid, veröffentlicht.) In Ihrem Artikel wird vor allem auf den sexuellen Missbrauch an Patientinnen eingegangen. Dabei gibt es wohl wesentlich mehr emotionalen Machtmissbrauch in Psychotherapien. Auch emotional missbrauchte Patientinnen „verstummen deshalb auf lange Zeit“. Nach allem, was ich von Betroffenen gehört oder auch gelesen habe, ist bei sexuellem Missbrauch in einer Psychotherapie das Erleben des Machtmissbrauchs, also der emotionale Anteil, für eine Patientin schwerer zu ertragen als der sexuelle Anteil. Aber der voyeuristische Aspekt scheint für Leser die größere Anziehungskraft zu haben. Wenn bei der Beschreibung der Geschehnisse nur auf den sexuellen Missbrauch Bezug genommen wird, werden traumatisierte Patientinnen noch einmal entwürdigt. Konnten denn bei dem Symposium „Ethik in der Psychotherapie“ auch Betroffene zu Wort kommen? Es gibt deren mehr als genug . . . Eckhard Giese schreibt in seinem Buch „Im Labyrinth der Therapie“: Gerade weil gescheiterte Therapien zum Erfahrungsschatz eines jeden Therapeuten gehören und aus ihnen gelernt werden könnte, wäre zu fordern, dass die therapeutischen Berufsverbände fehlgeschlagene Therapien dokumentieren und Auffangstellen für Therapiegeschädigte schaffen. (S. 263) Es ist gut, dass das Thema Missbrauch in Psychotherapien allmählich eine erweiterte Öffentlichkeit findet; dazu gehört auch Ihr Bericht . . .
Margret Fischer, Am Hölzlein 22, 97076 Würzburg
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