ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2006Interventionsmöglichkeiten bei Verkehrsunfällen durch Müdigkeit

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Interventionsmöglichkeiten bei Verkehrsunfällen durch Müdigkeit

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LNSLNS Bei Müdigkeit Auto zu fahren, erhöht die Unfallgefahr. Dies ergab eine prospektive Kohortenstudie mit mehr als 13 000 Mitarbeitern eines französischen Unternehmens (1). Die Frage: „Sind Sie während der letzten zwölf Monate jemals müde Auto gefahren“ bejahten zu Studienbeginn 5 077 Personen (37,1 Prozent).
In den folgenden zwei Jahren dokumentierten die Wissenschaftler in der Kohorte 260 schwere Verkehrsunfälle mit motorisierten Fahrzeugen. In einem Fragebogen nannten die verunglückten Fahrer die näheren Umstände des Unfallgeschehens. Hierbei berücksichtigte man auch Müdigkeit als mögliche Unfallursache. Personen, die zu Beginn der Studie Müdigkeit beim Fahren angaben, hatten ein um 50 Prozent erhöhtes Unfallrisiko. Die Autoren folgern, dass Autofahrer nicht dadurch weniger Unfälle verursachen, wenn sie sich Ihrer Müdigkeit bewusst sind.
Interventionsmöglichkeiten bei Müdigkeit ergeben sich aus einer Untersuchung mit zwölf jungen Männern. In dieser doppelblinden randomisierten Crossover-Studie gingen die Autoren der Frage nach, ob 125 mL Kaffee mit 200 mg Koffein oder ein 30-minütiger Schlaf die Fahrsicherheit bei Müdigkeit verbessern können. Die Testpersonen mussten tagsüber und nachts jeweils 2 h auf der Autobahn fahren. Mit Video erfasste man, wie oft die Fahrer verbotenerweise Fahrbahnmarkierungen überfuhren. Nach dem Kaffeegenuss fuhren 75 Prozent der Probanden genauso sicher wie tagsüber, nach einem 30-minütigen Schlaf 66 Prozent und nach Placebogabe in Form von dekoffeiniertem Kaffee lediglich 13 Prozent. Individuelle Unterschiede zeigten sich hinsichtlich der Schlafentzugssymptomatik und dem Ansprechen auf Kaffee oder den Kurzschlaf. Nach den Nachtfahrten verbrachten die Männer die restliche Nacht im Schlaflabor. Hier zeigte sich, dass weder Kaffee noch der vorherige Schlaf die Schlafqualität negativ beeinflussten. Die Autoren schätzen, dass durch jede der Interventionen das Unfallrisiko um den Faktor 3 bis 4 gesenkt werden kann. me

1. Nabi H, Guéguen A, Chiron M, Lafont S, Zins M, Lagarde E: Awareness of driving while sleepy and road traffic accidents: prospective study in GAZEL cohort. BMJ 2006, online veröffentlicht
E-Mail: emmanuel.lagarde@isped.u-bordeaux2.fr

2. Philip P, Taillard J, Moore N et al.: The effect of coffee and napping on nighttime highway driving. A randomized trial. Ann Intern Med 2006; 144: 785–91.
E-Mail: pierrephilip@compuserve.com

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