ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2006Gelegentliche Fußangeln

GELDANLAGE

Gelegentliche Fußangeln

Dtsch Arztebl 2006; 103(45): A-3056 / B-2660 / C-2552

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Heute rief mich ein Anlageberater an, der Mann ist in Diensten der Commerzbank. Er habe ein wunderbares neues Produkt, eine Hybridanleihe, das müsste doch genau das Richtige für einen renditeorientierten Kunden sein.
Oh, Hybrid. Welch ein netter Name für ein Finanzprodukt; selbst im Umfeld wohltönender Finanzideen klingt „hybrid“ irgendwie spannend. Immerhin fährt ein Auto mit dieser Typisierung zweigleisig, etwa wahlweise mit Gas und Benzin oder Diesel und Strom, auf jeden Fall halt nach unterschiedlichen Antriebsprinzipien. Welcher Clou aber hinter einer Hybridanleihe stecken mag, macht einen doch neugierig.
Vielleicht hilft uns ja die Ausstattung der „Commerzbank Vario Zins Plus Hybridanleihe“ weiter. Wer da mitmachen will, muss erst mal mindestens 5 000 Euro investieren und im Rahmen der Zeichnung einen Kurs von 101 in Kauf nehmen. Dafür erhält der Käufer für die ersten beiden Jahre einen festen Zinssatz von 5,25 Prozent, das hört sich auf jeden Fall schon mal gut an.
Auch für die Folgejahre winkt eine attraktive Rendite. Auf den
3-Monats-Euribor (Euribor: Zinssatz, zu dem sich Banken untereinander Geld leihen) gibt es einen Aufschlag von 1,5 Prozentpunkten. Bliebe dieser Euribor-Satz bei 3,5 Prozent wie derzeit, gäbe es auch im Jahr drei, vier und so weiter einen nach wie vor recht anständigen Zinssatz von fünf Prozent.
Wo ist denn nun aber das Hybride an der Sache, wo ist der Haken, so es einen gibt? Ein Blick auf die Laufzeit des Wertpapiers ist möglicherweise erhellend, denn diese Hybridanleihe der Commerzbank läuft tatsächlich unendlich. Das wäre ja nicht weiter tragisch bei der guten Verzinsung von Euribor plus 1,5 Prozentpunkte, immer vorausgesetzt, dieser Geldmarktsatz liegt auf einem vernünftigen Niveau, bei steigenden Renditen ist das Ganze ja noch interessanter. Also, das klingt bis jetzt echt nicht übel.
Der Wermutstropfen ist gleichwohl vorhanden. Sollte die Commerzbank nämlich in einem Jahr mal keinen Bilanzgewinn ausweisen, fällt die Verzinsung für dieses Jahr komplett flach und wird, wie etwa bei manchen Genussscheinen, auch nicht nachbezahlt. Passiert dieses Malheur fünf Jahre hintereinander, gibt es auch so lange null Zinsen. Hier wäre der Anleger ziemlich gekniffen, denn ein Kündigungsrecht hat er nicht, wohl aber die Commerzbank, die erstmals nach sechs Jahren zum Kurs von 100 kündigen darf (wenn sie will).
Ach so, ja, „hybrid“ heißt eine Hybridanleihe deswegen, weil sie ein Zwischending zwischen Aktie und Anleihe ist und vor allem wegen der extrem langen Laufzeit eine Mischung zwischen Eigenkapital und Fremdkapital darstellt. Der Anleger selbst hat aber keine echte Wahlfreiheit, außer eben das Papier zu kaufen oder es halt zu lassen. So richtig hybrid ist das aber am Ende dann doch nicht.
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