ArchivDeutsches Ärzteblatt8/1996PC-Verkaufsargument: Erfassungsfehler bei der KV

VARIA: Technik für den Arzt

PC-Verkaufsargument: Erfassungsfehler bei der KV

Lamers, M.

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LNSLNS Manchmal sind die Argumente neu, mit denen Ärzten der Kauf eines Computersystems schmackhaft gemacht werden soll; oft handelt es sich allerdings um "olle Kamellen". Einer dieser Tricks ist der, Zahlen vorzugeben, die zunächst einmal nicht besonders gewichtig erscheinen, möglichst durch "Untersuchungen" einen "amtlichen" Charakter erhalten und deshalb nicht gleich zu Skepsis Anlaß geben.
In einer bei Ärzten aufgetauchten, hochtrabend "Kosten-Nutzen-Analyse" genannten Aufstellung wird dabei eine Milchmädchenrechnung aufgemacht, die bei dem, der darauf hereinfällt, sicher einmal zu einem bösen Erwachen führen dürfte, wenn nämlich der prognostizierte Geldregen ausbleibt.
In der Berechnung geht man von einer "NAV-Studie aus 90/91" aus, nach der angeblich vier bis sechs Prozent der Leistungen durch die fehlerhafte Eingabe der KV-Mitarbeiter verlorengehen.


Angenommene Verlustwerte
Anhand einer Beispielrechnung wird verdeutlicht, daß durch eine Abrechnung per Diskette 6500 DM mehr Quartalsumsatz gemacht würde. Abzüglich der Leasingrate – von in diesem Fall 1067,33 DM – und der Softwarewartung (165,30 DM) soll dann durch den Computereinsatz allein aus der Kassenabrechnung ein monatliches Plus von fast 1000 DM erwirtschaftet werden. Schön wäre es ja. So mancher "GSG-gebeutelte" Arzt könnte durch Computereinsatz wieder etwas Hoffnung schöpfen.
Leider hat die Geschichte einen Haken. Die angenommenen Verlustwerte, die angeblich bei der manuellen Erfassung von Hand in der KV auftreten, können gar nicht derart hoch sein. Durch geeignete Prüfverfahren ist zum Beispiel in der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe sichergestellt, daß sämtliche Leistungen, die von den Praxen auf den Abrechnungsscheinen aufgeführt sind, auch in den KV-Computer aufgenommen werden. Die einzigen Fehlerquellen sind die, die durch "Zahlendreher" und durch die Eingabe von mehr oder weniger Zeichen bei den Abrechnungsnummern entstehen – wenn bei der Erfassung aus der einzugebenden 61 also eine 16 oder aus der 4142 eine 414 wird. Diese Erfassungsfehler führen allerdings auch nur dann zu unbemerkten Falschabrechnungen, wenn durch die Fehleingabe zufällig plausible Abrechnungsnummern entstehen. Dabei dürften sich die vorteilhaften und die für den Arzt nachteiligen Fehler die Waage halten.
Fehlerhafte Abrechnungen entstehen in der Praxis dagegen nicht selten. Insbesondere dann, wenn früher sämtliche Abrechnungsnummern an Ort und Stelle auf den Abrechnungsschein geschrieben wurden und jetzt die Leistungsnummern zunächst nur in die Karteikarte eingetragen werden, von wo sie dann von einer Arzthelferin abgeschrieben und in den Computer eingegeben werden. Hier muß eher mit einer Fehlerquote gerechnet werden, denn hier fehlen zumeist geeignete Prüfverfahren, die Erfassungsfehler verhindern.
Werner M. Lamers,
Billerbeck

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