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Datenbankrecherche: Schnell zum Ziel

Hillienhof, Arne

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Foto: Fotolia-Gladwell
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Für medizinische Suchanfragen stehen unterschiedliche Suchwerkzeuge zur Verfügung.

Die Zahl der medizinischen Datenbanken ist Legion. Einzelne von ihnen sind bekannt, zum Beispiel Medline oder die Cochrane Library, auf andere greifen eher Spezialisten zurück, etwa auf die Datenbank „Chemikalien und Kontaktallergie“, die das Bundesinstitut für Risikobewertung aufgebaut hat. Effektiver als die Suche in einzelnen Datenbanken ist es häufig, über spezielle Suchmaschinen mit einer Anfrage automatisch eine Reihe von Datenbanken zu durchsuchen. Bewährt hat sich dafür die Suchfunktion „SmartSearch“ des DIMDI – Deutsches Institut für MedizinischeDokumentation und Information. Die Funktion „ClassicSearch“ des DIMDI stellt für erfahrene Nutzer weitere Funktionen bereit. Gut geeignet ist auch die Suchfunktion „MedPilot“ der Deutschen Zentralbibliothek für Medizin (ZB-MED).
„SmartSearch“ ist eine Recherche-Oberfläche, die auch Einsteiger sofort nutzen können. Zu erreichen ist sie über die Homepage des DIMDI (www.dimdi.de), Rubrik „Datenbankrecherche“. Vor der Anfrage können die Nutzer wählen, in welchen Datenbanken sie suchen möchten. Wählt der Nutzer die Voreinstellung des Systems, bezieht sich die Suche auf die am häufigsten genutzten Datenbanken. Es ist aber auch möglich, per Mausklick eine individuelle Auswahl zu treffen. Der eigentliche Suchvorgang ist so einfach wie eine Internetrecherche über Google oder ein anderes Portal. Der Nutzer gibt einen oder mehrere Suchbegriffe ein und erhält die Treffer aus den ausgewählten Datenbanken. Nach der Suche kann er die Beiträge als PDF-Dateien im Volltext anschauen, wenn diese elektronisch verfügbar sind. Ist dies nicht der Fall, lassen sie sich bei einer Bibliothek bestellen. „SmartSearch“ ist für den Nutzer kostenfrei. Allerdings können bei der Einsicht in die Volltexte Kosten anfallen. Auch das Bestellen von Publikationen bei einer Bibliothek kostet Geld. Der Nutzer kann die Gebühren per Kreditkarte direkt begleichen. Er muss dazu keinen Nutzungsvertrag abschließen und keine Mitgliedschaft eingehen.
Komplexe Suchanfragen
Für komplexere Suchanfragen hat das DIMDI die Kommandosprache „ClassicSearch“ entwickelt, die nur registrierten Dauerkunden zur Verfügung steht. Eine Einführung in das Suchwerkzeug enthält ein Handbuch, das Interessierte auf der Internetseite des Instituts kostenfrei herunterladen können.
MedPilot ist ein Gemeinschaftsprojekt von ZB-MED (www.zbmed.de) und DIMDI, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert wird. Bereits 2002 hat die ZB-MED eine Umfrage in Auftrag gegeben, um zu erfahren, welche Erwartungen Ärzte und Wissenschaftler an ein medizinisches Fachportal haben. Ein Ergebnis: Der Suchvorgang sollte so einfach wie möglich sein. Das System sollte die in die Suche einzubeziehenden Datenbanken im Voraus auswählen, sodass der Nutzer auch ohne Kenntnis der einzelnen Datenbanken recherchieren kann. Erst auf der zweiten Ebene wünschten die Nutzer erweiterte Suchmöglichkeiten mit speziellen Eingabefeldern für den Autor, Titel, Quelle und anderes. Die ZB-MED hat dies bei der Konzeption des medizinischen Fachportals MedPilot (www.med pilot.de) berücksichtigt. Wie bei „SmartSearch“ können die Nutzer im Anschluss an die Recherche die gefundenen Artikel bestellen. Wer für seine Recherche nicht auf die Internetseite MedPilot surfen will, kann die Suchleiste des Recherchetools auch in den Browser integrieren und aus verschiedenen Anwendungen heraus Begriffe über MedPilot suchen. Die Installationsanleitung dazu finden Interessierte auf der Website des Dienstes. Manche Nutzer ziehen die gezielte Suche in einer ihnen bekannten Datenbank einer Metasuche über MedPilot oder SmartSearch vor. Das DIMDI bietet dafür spezielle Konfigurationen der Suchoberfläche „SmartSearch“, zum Beispiel das Servicewerkzeug „Medline Direct“. Die Nutzer recherchieren damit kostenfrei in der internationalen Medizindatenbank Medline. Sie können dabei auch deutsche Suchbegriffe verwenden, weil das DIMDI diese in die Suchfunktion aufgenommen hat. Auch Daueraufträge für regelmäßige Recherchen können die Nutzer hier kostenfrei einrichten.
Speziell für Informationen über Arzneimittel dient die Suchfunktion „PharmSearch“. Die monatlich aktualisierten Daten umfassen alle in Deutschland apothekenüblichen Arzneimittel, auch Homöopathika und Phytotherapeutika. In der Datenbank sind sämtliche Wirk- und Hilfsstoffe sowie deren Synonyme recherchierbar. Außerdem enthält die Datenbank Informationen über Wechselwirkungen zwischen Arzneimitteln und zwischen Arzneimitteln und Nahrungs- oder Genussstoffen. Grundlage für den Suchdienst sind die Datenbanken der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände ABDA.
HTA-Verfahren
Mit der systematischen Bewertung von medizinischen Prozessen, Verfahren und Technologien befassen sich sogenannte Health Technology Assessments (HTA). Das Informationssystem HTA des DIMDI stellt dem Nutzer Berichte der Deutschen Agentur für HTA und weiterer Institutionen aus dem In- und Ausland zur Verfügung, insgesamt umfasst es HTA-Berichte aus rund 20 Datenbanken. Diese Berichte zu Nutzen, Risiko, Kosten und Auswirkungen der medizinischen Verfahren sind kostenfrei erhältlich. Außerdem informiert das DIMDI in seinem HTA-Bereich darüber, wie die Berichte erstellt werden. Über eine öffentliche Themendatenbank kann jeder Nutzer Fragestellungen für HTA-Berichte vorschlagen. Die Recherche nach HTA-Berichten ist ebenfalls von der DIMDI-Website aus möglich.
Der Begriff „publication bias“ bezeichnet das Bevorzugen von positiven und das Zurückhalten von negativen Studienergebnissen, zum Beispiel, weil ein Konzern befürchtet, dass Ärzte aufgrund einer Studie bestimmte Arzneimittel weniger oder gar nicht mehr verschreiben. Auf Initiative des britischen Medical Research Council gegen das „publication bias“ entstand das sogenannte Current-Controlled-Trials-Metaregister (CCT). Es strebt an, weltweit alle kontrollierten klinischen Studien zu registrieren, unabhängig davon, ob es sich um Arzneimittelstudien oder Studien mit nichtmedikamentösen Therapien handelt. Das Register soll laufende und abgeschlossene Studien enthalten, die Registrierung soll beim Start der Studien erfolgen. Besonders wichtig: Das CCT-Register ist allgemein zugänglich – klinische Forscher, behandelnde Ärzte und Patienten können darauf zugreifen. Das Register ist krankheitsorientiert und soll die verfügbare Evidenz zur Therapie eines Krankheitsbildes bündeln. Ärzte sollen bei der Behandlung ihrer Patienten die verfügbaren Therapiealternativen kompetent vergleichen. Wissenschaftler will das Register davor bewahren, unnötige Parallelstudien zu gleichen Problemen aufzulegen. Interessierte können unter www.controlled-trials. com auf das Register zugreifen. Dr. med. Arne Hillienhof
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