ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSSUPPLEMENT: PRAXiS 5/2006Digitales Mammographie-Screening: Gesicherte Qualität durch Unterstützung des Workflows

SUPPLEMENT: PRAXiS

Digitales Mammographie-Screening: Gesicherte Qualität durch Unterstützung des Workflows

Kampe, Stefan

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LNSLNS Die Kassenärztliche Vereinigungen in Nordrhein-Westfalen haben eine Screening-Software entwickelt und ermöglichen eine sichere Datenübertragung.

Bildschirmansicht der Mammographie-Screening-Software (MaSc): Das richtlinienkonforme Programm unterstützt sämtliche Prozesse und Abläufe beim Screening.
Bildschirmansicht der Mammographie-Screening-Software (MaSc): Das richtlinienkonforme Programm unterstützt sämtliche Prozesse und Abläufe beim Screening.
Das Mammographie-Screening in Deutschland entspricht nach den EU-Richtlinien höchsten Qualitätsanforderungen. Dazu gehört beispielsweise, dass nur besonders qualifizierte Einrichtungen das Programm durchführen können, jede Mammographieaufnahme von zwei besonders geschulten Ärzten beurteilt wird und im Fall einer Verdachtsdiagnose die erforderliche Abklärung innerhalb des Früherkennungsprogramms stattfindet. Durch das Screening-Programm soll die Zahl der Todesfälle durch Brustkrebs in Deutschland sinken. Ziel ist es, Mammakarzinome möglichst früh und bereits in ihren Vorstufen zu diagnostizieren.
Im Januar 2004 sind die Richtlinien (Krebsfrüherkennungs-Richtlinie und Bundesmantelvertrag – Ärzte/Ersatzkassen) des Bundes­aus­schusses der Ärzte und Krankenkassen zur Einführung des Screenings in der vertragsärztlichen Versorgung in Kraft getreten. Danach haben alle Frauen zwischen 50 bis 69 Jahren Anspruch auf eine Mammographie-Screening-Untersuchung, sobald das Screening in ihrer Region angeboten wird. Alle Frauen dieser Altersgruppe werden anhand von Meldedaten eingeladen, und es werden Mammographien erstellt. Binnen einer Woche erhalten die Frauen das Ergebnis.
Bei unauffälligem Befund werden die Teilnehmerinnen nach zwei Jahren erneut eingeladen. Bei einem Verdacht auf Brustkrebs sieht das Programm weitere Untersuchungen zur Abklärung vor.
Screening geht über Vorsorge hinaus
An die teilnehmenden Ärzte und die Qualität des Screenings werden strenge Anforderungen gestellt. Notwendige Schritte im Rahmen der Abklärungsdiagnostik sind aufeinander abgestimmt.
Die wesentlichen Unterschiede zwischen dem organisierten Mammographie-Screening und der bisherigen Früherkennung sind:
- Das Mammographie-Screening ist ein bevölkerungsbezogenes Programm. Über ein Einladungssystem werden die Daten der Einwohnermeldeämter genutzt. Alle Frauen zwischen 50 und 69 Jahren haben einen Anspruch und werden eingeladen, gleichgültig welcher Versicherungsschutz – gesetzlich oder privat – besteht.
- Das Mammographie-Screening ist bundesweit einheitlich. Die Qualifikation der beteiligten Ärztinnen und Ärzte, ihrer Fachkräfte und die apparative Ausstattung unterliegen einheitlichen Anforderungen. Jeder Programmverantwortliche Arzt muss zum Beispiel vor Aufnahme des Screenings eine vierwöchige Tätigkeit in einem Referenzzentrum nachweisen. Dabei müssen unter anderem 3 000 Aufnahmen beurteilt werden. Umfassende Qualitätssicherungs- und Qualitätsmanagementwerkzeuge sorgen zusätzlich für einen hohen Standard.
- Das Programm wird ständig auf notwendige Verbesserungen geprüft. Dazu erfolgt eine Evaluation der Effektivität des Programms, zum Beispiel unter Hinzuziehung der Ergebnisse des Krebsregisters.
Die Kassenärztlichen Vereinigungen Westfalen-Lippe (KVWL) und Nordrhein haben für die Unterstützung des Programms eine spezielle Software entwickelt. „Die Mammographie-Screening Software (MaSc) bildet die gesamte Prozesskette von der Einladung über die Befundung und postoperative Fallkonferenz bis hin zur Abrechnung der Leistungen ab“, betont Michael Hertzberg, Mitarbeiter im Geschäftsbereich IT der KVWL und zuständiger Produktmanager. Das Mammographie-Screening wird über MaSc (www.MaSc-Software. de) voll unterstützt. Ein integrierter DICOM-Router übernimmt die gesamte Bildlogistik und -steuerung einschließlich des automatisierten Ladens der Screening-Voraufnahmen. Dabei unterstützt MaSc die Modalitäten führender Hersteller. Damit sei sichergestellt, erläutert Hertzberg, dass der Programmverantwortliche Arzt sich für einen Anbieter seiner Wahl entscheiden könne. „Durch den Einsatz von MaSc ist er nicht auf einen bestimmten Anbieter festgelegt.“
Die Softwarelösung MaSc lässt sich auch in mobilen Mammographie-Einheiten verwenden. Solche „Mammamobile“ sind bereits in Niedersachsen unterwegs. Foto: Mammographie-Screening Nordwest
Die Softwarelösung MaSc lässt sich auch in mobilen Mammographie-Einheiten verwenden. Solche „Mammamobile“ sind bereits in Niedersachsen unterwegs. Foto: Mammographie-Screening Nordwest
MaSc ist ein ausgereiftes richtlinienkonformes System. Sämtliche Abläufe im Rahmen des Mammographie-Screenings in der Zentralen Stelle, bei den Programmverantwortlichen Ärzten, in den Screening-Einheiten und bei den Befundern werden bestmöglich unterstützt. Damit wird allen Beteiligten eine sichere und flexible automatisierte Unterstützung der Prozesse und Abläufe geboten. Diese Arbeitserleichterungen für die Teams in den Mammographie-Einheiten kommen letztlich wieder den Frauen zugute, die sich dort untersuchen lassen.
Digitale Daten werden über gesicherte Leitungen ausgetauscht. Dazu haben mehrere Kassenärztliche Vereinigungen mit dem KV-SafeNet die Anforderungen an eine sichere und datenschutzkonforme elektronische Datenübertragung definiert. Zertifizierte Provider bieten den Screening-Einheiten höchste Sicherheit.
Die Daten der anspruchsberechtigten Frauen werden von den Meldeämtern unter Wahrung der landesrechtlichen Datenschutzbestimmungen an die jeweilige Zentrale Stelle, die das Einladungsmanagement übernimmt, weitergegeben. Die Softwarelösung der KVen unterstützt alle gängigen Datenformate der Meldeämter. Die Meldedaten werden automatisiert mit der MaSc-Software eingelesen und verarbeitet.
Die anspruchsberechtigten Frauen erhalten eine persönliche Einladung zum Screening in die nächstgelegene Mammographie-Einheit mit einem festgelegten Termin. Der Termin kann auf Wunsch geändert werden. Terminverschiebungen können sowohl in der Zentralen Stelle als auch in den Mammographie-Einheiten vorgenommen werden.
Terminmanagement
Das Terminmanagement von MaSc integriert die gewünschten Auslastungen der Mammographie-Einheiten und Erscheinenswahrscheinlichkeiten (wie etwa Erst- und Erinnerungseinladung, Initiativtermin, Zweitrundeneinladung). „Gerade die optimale Auslastung ist für die Screening-Einheiten ein entscheidener betriebswirtschaftlicher Faktor“, erläutert Hertzberg. Der Datenabgleich zwischen Screening-Einheit und Zentraler Stelle geschieht über die Software vollautomatisch. Damit stehen über MaSc die Termininformationen allen Beteiligten jederzeit zur Verfügung. Dieser Service hat sich für die Informations- und Beratungsaufgaben der Zentralen Stelle als sehr wichtig erwiesen.
Die Bundesvorgaben legen den Ablauf des Mammographie-Screenings mit Mehrfachbefundung und gegebenenfalls erforderlichem Assessment genau fest. Die Lösung MaSc bildet die gesamte Prozesskette ab und unterstützt die medizinische Dokumentation einschließlich der Abklärungsdiagnostik. Das bedeutet eine erhebliche Entlastung des Arztes und seiner Mitarbeiter. Beginnend mit der Aufnahme der Patientin werden die Arbeitsschritte gemäß der Krebsfrüherkennungs-Richtlinie unterstützt:
- Erfassung der Anamnese
- Dokumentation über die Erstellung der Aufnahmen
- automatisierte Weiterleitung der Fälle an die beiden voneinander unabhängigen Befunder einschließlich der gegebenenfalls erforderlichen Supervision
- Planung und Organisation der Konsensuskonferenz und der dort notwendigen Dokumentation
- Durchführung der Abklärungsdiagnostik mit der Dokumentation aller notwendigen Untersuchungen (wie etwa Stanzbiopsien unter Ultraschall- sowie Röntgenkontrolle, klinische Befunde, Befundbericht des Pathologen)
- Planung, Organisation und Dokumentation der prä- und postoperativen multidisziplinären Fallkonferenzen.
Die Softwarelösung der KVen will herstellerunabhängig sein und keinen Arzt zwingen, nur bestimmte Modalitäten eines Anbieters einzusetzen. „Wir haben eine europaweite Ausschreibung durchgeführt und einen DICOM-Router in unsere Softwarelösung integriert“, erläutert Michael Hertzberg. Dieser Router kommuniziert mit den Aufnahmegeräten der führenden Hersteller und ist das Bindeglied zwischen dem MaSc-System und der DICOM-Welt. Damit werden über MaSc folgende Kernaufgaben gelöst:
- Generierung der DICOM-Modality-Worklist
- Multi-Worklist-Server-Funktionalität (Kombination mit einer Worklist für das Radiologieinformationssystem)
- Rückübermittlung der Aufnahmeparameter per MPPS (Modality Performed Procedure Step; mit dieser Funktion lassen sich Status, Parameter und Ergebnisse durchgeführter Untersuchungen und Therapien an Modalitäten direkt in angeschlossenen Informationssystemen nutzen) oder Auslesen des Bildheaders
- Ausführen von Transportaufträgen bei vielfältiger Infrastruktur (Transporte zu den Befundern, zu den Konferenzstandorten, zum PACS)
- optionales Zwischenspeichern von Bildern im Rechenzentrum.
An jedem Standort einer Screening-Einheit wird der MaSc-DICOM-Router installiert. Dieser kommuniziert mit den lokalen MaSc-Clients und via Netzwerkverbindung mit der zentralen Serverkomponente des Systems. Der DICOM-Router ist im Lieferumfang von MaSc enthalten.
Die Lösung unterstützt auch mobile Einheiten. In Niedersachen sind bereits mehrere Mammamobile mit MaSc im Einsatz. Darüber hinaus wird die Software bereits erfolgreich in Bremen und Hessen eingesetzt. In Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein, Hamburg und im Saarland ist der Einsatz geplant, in Sachsen steht die Entscheidung kurz bevor. Stefan Kampe,
E-Mail: kundenmanagement@kvwl.de
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