ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSPRAXiS 5/2006Bankkredite: Das Bonitätsurteil bestimmt den Zins

Supplement: PRAXiS

Bankkredite: Das Bonitätsurteil bestimmt den Zins

Dtsch Arztebl 2006; 103(45): [20]

Vetter, Michael

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Foto: Fotolia-Saniova
Foto: Fotolia-Saniova
Zum 1. Januar 2007 werden die verschärften Kreditvergaberichtlinien, kurz Basel II genannt, endgültig eingeführt.

Bei „Basel II“ geht es vor allem um die Kreditvergabe der Bankinstitute, die sich künftig stärker als bisher an der jeweiligen Kreditwürdigkeit ihrer Kunden orientieren wird. Dies bedeutet, dass vor einer Kreditvergabe grundsätzlich eine individuelle Risikoeinstufung des Kreditnehmers – ein „Rating“ – vorzunehmen ist. Bisher müssen Bankinstitute eine einheitliche Quote von acht Prozent ihres Eigenkapitals je Kreditbetrag vorhalten. Nach den Vorstellungen von Basel II wird sich diese Quote zukünftig enger an der Bonität des Kreditnehmers orientieren, sodass sie zwischen 1,6 Prozent und zwölf Prozent des Eigenkapitals schwanken kann. Banken, die zu einer unterdurchschnittlichen Ratingeinstufung eines Kunden kommen, werden also eine höhere Eigenkapitalquote vorhalten müssen, während Kreditgeber, deren Kundenbeurteilung überdurchschnittlich ausfällt, mit einer geringeren Quote kalkulieren können. Im Ergebnis werden die jeweiligen Eigenkapitalkosten in Form höherer oder niedriger Kreditzinsen an die Kunden weitergegeben.
Es ist für Ärzte also von wesentlicher Bedeutung, ihr Rating zu optimieren. Neben den Kreditkonditionen kann davon auch die grundsätzliche Bewilligung neuer Kredite oder die Verlängerung bestehender Kredite abhängen.
Bei der Berechnung der Eigenkapitalquote sind das Kreditrisiko, das Marktrisiko und das operationale Risiko zu berücksichtigen. Während das Kreditrisiko den Kreditnehmer unmittelbar betrifft, entstehen Marktrisiken vor allem durch die Schwankungen von Zinssätzen, Wechsel- oder Aktienkursen. Sie beziehen sich also auf das herkömmliche Bankgeschäft. Das operationale Risiko wird als Risiko von Verlusten definiert, die etwa als Folge des Fehlverhaltens von Menschen oder internen/externen Verfahren oder Ereignissen eintreten können.
Die sichere Kreditvergabe
Über die Eigenkapitalerfordernisse hinaus gibt es zwei weitere Säulen, die sich einerseits mit den Rechten und Pflichten der nationalen Aufsichtsbehörden und deren Prüfung bankinterner Verfahren der Risikomessung und andererseits mit der Einführung entsprechender Risikomanagementsysteme durch die Bankinstitute befassen. In der Summe sollen also mehrere Faktoren wie Zahnräder ineinander greifen, um den Anforderungen nach Basel II gerecht zu werden und eine weitgehend sichere Kreditvergabe zu gewährleisten. Dies kommt auch im Rating zum Ausdruck, mit dem letztlich die Fähigkeit des Kreditnehmers beurteilt werden soll, seinen finanziellen Verpflichtungen vertragsgerecht nachzukommen.
Während interne Ratings von der prüfenden Bank selbst durchgeführt werden, bieten Ratingagenturen externe Ratings an, die je nach Fallgestaltung eine Kreditentscheidung beeinflussen können. Für den Praxisinhaber ist es wichtig, dass ihm die Details seines bankinternen Ratings Schritt für Schritt dargelegt werden. Dazu gehört neben einer Qualifizierung der „harten“ und „weichen“ Faktoren, die sich mit den betriebswirtschaftlichen Daten als „harte“ Faktoren der Praxis beziehungsweise mit den vor allem vom Arzt geprägten Eigenschaften wie Führungs-, Planungs- und Prognosefähigkeiten als „weiche“ Faktoren befassen, auch die Gewichtung dieser Faktoren im Bonitätsurteil des Ratings. Dieses Urteil wird durch Buchstaben (siehe Kasten, Seite 22) oder in einem Notensystem dargestellt.
Ärzte, die die wesentlichen Details ihres Ratings kennen, sind meist in der Lage, die aufgeführten Schwachpunkte auch zu verbessern. Nach dem Denkansatz von Basel II soll dieser Verbesserungsprozess beim Kunden auch zu einer Verbesserung der Kreditkonditionen beziehungsweise der Kreditvergabe insgesamt führen. Die Nachvollziehbarkeit einer Kreditentscheidung hängt also ganz wesentlich davon ab, in welchem Umfang die Kredit gebende Bank bereit ist, Einzelheiten ihres internen Ratingverfahrens mit dem Kunden ausführlich zu besprechen.
Darüber hinaus sollten Ärzte künftig auch den Kreditsicherheiten ein hohes Maß an Aufmerksamkeit widmen. Deutliche Anzeichen sprechen dafür, dass Qualität und Umfang von Kreditsicherheiten bankseitig nicht nur an Bedeutung zunehmen, sondern auch mit zunehmender Tendenz die Kreditkonditionen beeinflussen werden. Ob und in welchem Umfang dies beim jeweiligen Kreditinstitut tatsächlich der Fall ist, sollte vom Arzt ebenfalls rechtzeitig geklärt werden.
Plausibel oder nicht?
Bei Gesprächen mit Kundenberatern und Kreditsachbearbeitern wird bankseitig häufig betont, dass der zunehmende bürokratische Aufwand, der mit Basel II verbunden ist, auch auf Anweisungen der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht zurückzuführen ist. Diese Kontrollbehörde der Finanzinstitute stellt detaillierte Anforderungen an Bankinstitute, die diese im Geschäftsverkehr mit ihren Kreditnehmern umsetzen. Da diese Anforderungen je nach Umfang beim Kreditnehmer nicht nur einen zusätzlichen Arbeitsaufwand, sondern auch einen finanziellen Mehraufwand nach sich ziehen, ist Verärgerung beim Arzt programmiert. Immerhin, so wird im Mittelstand argumentiert, handele es sich um zusätzliche Forderungen der Banken, die von diesen dann auch bezahlt werden müssten.
Ein für diese Situation typisches Beispiel ist die „Plausibilitätsbeurteilung“, die durch den Steuerberater des Praxisinhabers erfolgt und auf die die Bankinstitute mit zunehmender Tendenz bestehen. Ein vom Steuerberater erstellter Jahresabschluss mit einer solchen Plausibilitätsbeurteilung erfordert neben den Erstellungsarbeiten sachdienliche Befragungen und analytische Prüfungshandlungen. Sie sollten zur Feststellung führen, dass keine Punkte bekannt geworden sind, die gegen die Ordnungsmäßigkeit der Buchführung und der Bestandsnachweise in allen für den Jahresabschluss wesentlichen Belangen sprechen. Ebenfalls möglich ist die Erstellung des Jahresabschlusses „mit umfassenden Prüfungshandlungen“, bei der sich der Steuerberater von der Ordnungsmäßigkeit der Buchführung seines Mandanten zu überzeugen hat. Der Prüfungsumfang geht je nach Einzelfall also weit über das in der Vergangenheit übliche Verfahren hinaus. Die Folge sind regelmäßig entsprechend höhere Gebühren für den Arzt.
Weiche Faktoren oft unterschätzt
Ergibt sich nun für den Kreditgeber aus dem Jahresabschluss mit Plausibilitätsbeurteilung beziehungsweise mit umfassenden Prüfungshandlungen kein weiterer Erläuterungsbedarf und führen die dem Bankinstitut ohnehin bekannten Informationen nicht zu negativen Erkenntnissen, so kann der Jahresabschluss mit der Bescheinigung als ausreichende Bewertungsunterlage vom Kreditgeber angenommen werden. Klar ist es, dass bei Kreditnehmern, die durch die bankinterne Risikoklassifizierung mit einem erhöhten Risiko eingestuft werden, grundsätzlich die Vorlage des Jahresabschlusses mit umfassenden Prüfungshandlungen verlangt wird. An den damit verbundenen Gesprächen zwischen Bank und Steuerberater sollte der Arzt möglichst teilnehmen. Ob und in welchem Umfang er seinen Steuerberater darüber hinaus ermächtigt, Informationen unmittelbar und ohne seine Beteiligung an den Kreditgeber weiterzugeben, sollte detailliert und im Einzelfall festgelegt werden. Die gewachsene Neugier der Hausbank ist für den Arzt häufig gewöhnungsbedürftig. Für eine weiterhin stabile und verlässliche Geschäftsbeziehung zwischen Bank und Kunde sollte daher rechtzeitig besprochen werden, welche steuerlichen und bilanziellen Anforderungen an den Kunden aus welchem konkreten Grund erfolgen und welche möglichen Mehrkosten damit verbunden sind.
Vertrauen sollte auch die Basis für die künftig obligatorischen und regelmäßigen Gespräche zur Kreditbeurteilung, dem Rating, sein. Im Vorfeld der endgültigen Basel- II-Umsetzung sind Beratungsqualität und -umfang der Banken und Sparkassen sehr unterschiedlich: Während Kundenberater und Kreditsachbearbeiter nahezu jedes Ratingkriterium mit dem Kunden detailliert bereden, bieten Bankmitarbeiter eher oberflächliche Informationen, die auf wesentliche Schwachpunkte des Ratings meist zwar eingehen, eine in die Tiefe gehende Beratung etwa über die jeweilige Gewichtung eines Ratingkriteriums aber verweigern. Es sollte ein Gebot der Transparenz auf beiden Seiten sein, an diesem Punkt zu arbeiten und eine weitgehend einheitliche Linie zu verfolgen. Immerhin kann der Arzt als Kreditnehmer zu Recht darauf hinweisen, dass er ebenfalls zu hoher Transparenz bei der Offenlegung seiner wirtschaftlichen Verhältnisse verpflichtet ist.
Die bisher absehbare Umsetzung der Basel-II-Regeln zeigt, dass die weichen Faktoren, die sich vor allem mit dem Arzt als Führungspersönlichkeit und den organisatorischen und planerischen Voraussetzungen der jeweiligen Praxis befassen, in ihrer Bedeutung von Kreditnehmern noch unterschätzt werden. Vor allem der Bereich der Praxisnachfolge gewinnt zunehmend an Relevanz. Wurde dieser Gesichtspunkt unternehmerischer Planung in der Vergangenheit häufig eher beiläufig behandelt, legen Banken und Sparkassen mittlerweile größeren Wert auf entsprechende Vorbereitungen zum späteren Praxisübergang. Selbst Ärzte in mittleren Jahren werden von ihrem Kundenberater immer wieder mit diesem Thema konfrontiert. Dies erscheint aus Bankensicht logisch: Bei den im Praxisbereich üblichen langfristigen Finanzierungen muss sichergestellt werden, dass die Praxis reibungslos weitergeführt wird und damit die Kontinuität der regelmäßig zu leistenden Zins- und Tilgungsraten bei einem Wechsel gewahrt bleibt.
Aber auch aus Sicht des Arztes ist es selbstverständlich, eine geordnete Planung, die vom Kreditgeber konstruktiv begleitet wird, in der Schublade zu haben. Sollte dies bisher nicht der Fall sein, bietet sich auch dazu ein rechtzeitiges Orientierungsgespräch mit der Hausbank an. Dieses Gespräch sollte dazu genutzt werden, weitere weiche Faktoren auf ihre Bedeutung für den Kreditgeber und vor allem auf ihre Verbesserungsmöglichkeiten hin zu bereden. Bei derartigen Ratinggesprächen, die in vielen Praxen nach wie vor die Ausnahme darstellen, sollte dem Arzt bewusst sein, dass er durch entsprechende Verbesserungen und einer daraus folgenden Ratingheraufstufung auch mit preiswerteren Krediten rechnen kann. Dies gilt vor allem für den variabel verzinsten Kontokorrentkredit, der bei Ärzten oft eine wichtige Liquiditätsquelle ist.
Nach wie vor gilt, dass sich die Preisgestaltung eines Kredits vor allem an der jeweiligen Kreditwürdigkeit oder Bonität des Kunden orientiert, die ihrerseits vom Praxisrating beeinflusst wird. Es kann sich in diesem Zusammenhang auch als Vorteil erweisen, wenn das Bankrating um ein externes Rating ergänzt wird. Möglicherweise begrüßt der Kreditgeber eine solche Risikoeinschätzung außen stehender Berater, um seine eigenen Informationen und Bewertungen abzugleichen und gegebenenfalls zusätzliche Daten und Fakten zu erhalten. Allerdings ist ein vorheriges Gespräch mit der Bank sinnvoll, weil offenbar nicht jedes Kreditinstitut bereit ist, ein externes Rating in eigene bankinterne Beurteilungen einfließen zu lassen. Michael Vetter

Rating-Symbole

AAA = erstklassige Kreditwürdigkeit
AA = sehr gute Kreditwürdigkeit
A = gute bis befriedigende Kreditwürdigkeit
BBB = ausreichende Kreditwürdigkeit
BB = noch ausreichende Kreditwürdigkeit
B = gerade noch ausreichende Kreditwürdigkeit
CCC, CC, C, D = nicht mehr ausreichende Kreditwürdigkeit
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema