ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSPRAXiS 5/2006Vermögensstrukturierung: Antizyklisches Handeln zahlt sich aus

Supplement: PRAXiS

Vermögensstrukturierung: Antizyklisches Handeln zahlt sich aus

Dtsch Arztebl 2006; 103(45): [24]

Jobst, Peter

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LNSLNS Depotzusammensetzungen basieren häufig auf sporadischen Anlageentscheidungen. Ein strukturiertes Vorgehen verspricht mehr Rendite.

Viele Anleger begehen den Fehler, Finanzprodukte weitgehend willkürlich zu kaufen. Heute Aktien, morgen Discountzertifikate, übermorgen Rentenfonds – ein buntes Sammelsurium entsteht, das größere Risiken als Chancen beinhaltet. Andere Investoren setzen zu stark auf einzelne Märkte, zum Beispiel die deutsche Börse. Kommt es dann jedoch an der deutschen Börse zu einem Rückschlag, steht die Wertentwicklung eines solchen Depots besonders unter Druck.
Erfahrene Investoren achten auf eine angemessene Streuung ihres Vermögens. Hierzu ist es zunächst erforderlich, die persönlichen Ziele herauszuarbeiten. Soll das Kapitalvermögen ein Sicherheitspolster für schlechte Zeiten darstellen? Soll ein bestimmter Kapitalbetrag für Anschaffungen, wie Auto oder Urlaubsreise, zur Verfügung stehen? Ist der Kauf oder Bau eines Hauses geplant? Soll ein Grundstock für die persönliche Altersvorsorge aufgebaut werden? Aus den Antworten lassen sich erste Schlüsse für die Depotzusammenstellung ziehen:
- Je früher und je zuverlässiger das Geld zu einem bestimmten Termin benötigt wird, umso wichtiger ist eine risikoarme Geldanlage für diesen Teil des Vermögens.
- Je länger das Geld zur Verfügung steht und je unklarer die Zielsetzung des Sparens ist, umso größer ist der Spielraum für chancenreichere Anlagen, die aber auch größere Risiken beinhalten.
Dies zeigt bereits, dass fest gefügte Anlagekonzepte mit konkreten Quoten für Aktien, Anleihen und weitere Finanzprodukte – wie sie derzeit von Banken und Sparkassen präferiert werden – zwar eine Hilfestellung bieten können, im Einzelfall jedoch nicht unbedingt zweckdienlich sind. Viel wichtiger ist es, die persönlichen Lebensumstände zu berücksichtigen. Je präziser hier die Vorgaben sind, umso leichter lassen sich die Anlageziele verwirklichen.
Geldanlagen werden von vier Faktoren beeinflusst, die gegenseitig im Widerspruch stehen: Es gilt, eine möglichst ausgewogene Strategie zwischen Rendite, Laufzeit, Sicherheit und Risiko zu finden. So lassen etwa Kontensparverträge in der jetzigen Zinsphase eine vergleichsweise geringe Rendite erwarten, dafür sind sie aber sehr sicher. Zumindest etwas höhere Erträge können mit Rentenwerten erzielt werden, jedoch müssen hier zumindest im Fall eines vorzeitigen Verkaufs Kursverluste einkalkuliert werden. Dies gilt in verstärktem Maß für Papiere mit längeren Restlaufzeiten, die dafür bessere Erträge abwerfen als Kurzläufer. Noch attraktiver sind die Ertragschancen bei Aktienanlagen und Finanzderivaten, die jedoch – dies zeigen die vergangenen Jahre – in einer Baisse erheblich an Wert verlieren können.
Basis eines gut sortierten Depots sollten dennoch nach wie vor festverzinsliche Geldanlagen darstellen, beispielsweise Bundeswertpapiere und Unternehmensanleihen, die mit Restlaufzeiten von einem bis zu mehr als 30 Jahren gehandelt werden. Hier kann der Anleger auf regelmäßige, zuverlässige Erträge bauen und nicht zuletzt auch individuelle Steuerungen vorsehen. Wird das Geld in fünf Jahren zur Ausbildungsfinanzierung der Kinder benötigt, können Anleihen mit fünf Jahren Restlaufzeit gewählt werden. Die heute gebotene Rendite ist dabei für die gesamte Laufzeit festgeschrieben und Kursrisiken bestehen – sofern die Laufzeit durchgehalten wird – keine. Bei quasi unbegrenzter Verfügbarkeit können auch längere Laufzeiten gewählt werden, allerdings stets unter Berücksichtigung der Marktlage. Derzeit sind die Zinsen niedrig, sodass Anleger die Schwerpunkte auf Laufzeiten zwischen vier und sieben Jahren legen sollten.
Daneben spielen Aktien und aktienähnliche Produkte eine unverzichtbare Rolle bei jeder Geldanlage – insbesondere, wenn eine grundsätzlich unbefristete „Laufzeit“ vorgesehen ist. Nach einer weiteren Börsenregel sollte die Aktienquote nach der Formel „100 minus Lebensalter“ erstellt werden, sodass ein 40-Jähriger 60 Prozent in Aktien investiert, während ein 55-Jähriger nur noch 45 Prozent in Beteiligungswerten anlegt. Diese Quoten erscheinen zwar recht hoch, aber nur so ist eine überdurchschnittliche Rendite zu erwarten. Denn langjährige Erfahrungen zeigen, dass mit einer Aktienanlage durchaus Renditen zwischen 8,5 Prozent bis zwölf Prozent pro Jahr erzielt werden können. Im Übrigen lassen sich auch hier die Risiken in überschaubaren Grenzen halten. Hierzu bieten sich zwei Möglichkeiten an:
- Depotzusammensetzung. Die Wertpapiere des Depots werden so miteinander kombiniert, dass Anleihetitel den Kapitalerhalt innerhalb eines vorgegebenen Zeitraums in jedem Fall sichern, während Aktien und vergleichbare Produkte für die Rendite „zuständig“ sind.
- Depotüberwachung. Alle Depotpositionen werden laufend überwacht. Zeichnen sich Risiken ab, erfolgt der Verkauf beziehungsweise die Absicherung mit geeigneten Instrumenten, zum Beispiel von der Terminbörse. Bewährt haben sich in diesem Zusammenhang auch variable Stop-Loss-Marken. Sie werden beispielsweise zehn bis 20 Prozent unter dem Einstandskurs festgelegt, bei steigenden Notierungen nach oben fortgeschrieben, bei fallenden Preisen indes eingefroren. Auf diese Weise liegt das maximale Depotrisiko bei konsequenter Anwendung lediglich in Höhe der Stop-Loss-Marken. Peter Jobst
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