ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSSUPPLEMENT: PRAXiS 5/2006Kinderbetreuungskosten: Mit Tagesmutter Steuern sparen

SUPPLEMENT: PRAXiS

Kinderbetreuungskosten: Mit Tagesmutter Steuern sparen

Althoetmar, Kai

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LNSLNS Berufstätige Eltern können ab 2006 zwei Drittel der Kosten für die Betreuung ihrer Kinder von der Steuer absetzen: als Betriebsausgaben oder als Werbungskosten.

Foto: Caro
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Eltern sollen Beruf und Familie besser vereinbaren können. Rückwirkend zum 1. Januar 2006 können Eltern deshalb die Kosten für Kindertagesstätten, Kindergärten, Babysitter und Tagesmütter steuerlich absetzen. Die Steuervergünstigungen sind Teil des Konjunkturprogramms der Bundesregierung, dem der Bundesrat im April zugestimmt hat.
Gefördert werden vor allem Familien, die berufsbedingt auf bezahlte Hilfe bei der Kinderbetreuung angewiesen sind. Nach dem „Gesetz zur steuerlichen Förderung von Wachstum und Beschäftigung“ können Doppelverdiener und erwerbstätige Alleinerziehende für Kinder unter 14 Jahren zwei Drittel der Betreuungskosten bis zu 6 000 Euro pro Jahr und Kind steuerlich geltend machen. Den Abzug erhalten auch Eltern, wenn nur ein Elternteil berufstätig und der andere dauerhaft krank, behindert oder in Ausbildung ist. Für behinderte Kinder gelten die Altersgrenzen nicht, wenn die Behinderung vor dem 27. Geburtstag eingetreten ist.
Maximal 4 000 Euro
Somit können je Kind jährlich bis zu 4 000 Euro von der Steuer abgesetzt werden – als Werbungskosten bei Arbeitnehmern oder als Betriebsausgaben bei Selbstständigen. Ist nur ein Elternteil berufstätig, gilt die Förderung nur für Kinder zwischen drei und sechs Jahren. Als berufstätig gelten auch Väter und Mütter mit Minijobs oder in Teilzeitarbeit. Auch unverheiratete Lebenspartner erhalten die Förderung. Zum Abzug berechtigt ist in der Regel der Elternteil, auf den die Rechnung über Betreuungskosten ausgestellt ist. Haben beide Elternteile die Kosten gemeinsam übernommen, kann jeder maximal 2 000 Euro je Kind beim Fiskus geltend machen. Beispiel: Betragen die Kosten für eine Tagesmutter je Kind 6 000 Euro, kann die Familie 4 000 Euro steuerlich absetzen. 2 000 Euro je Kind trägt sie dann selbst. Anderes Beispiel: Die Betreuungskosten betragen 1 000 Euro. 666 Euro kann die Familie von der Steuer abziehen, 333 Euro nicht.
Die Ausgaben können erstmals in der Steuererklärung für 2006 geltend gemacht werden. Wer sich aber vom Finanzamt einen Freibetrag auf der Lohnsteuerkarte eintragen lässt, muss nicht bis nächstes Jahr auf die Steuererstattung per Lohnsteuerjahresausgleich warten. „Dieser Freibetrag wird dann bereits ab der nächsten Lohnzahlung mindernd berücksichtigt“, informiert der Bund der Steuerzahler in Bayern. Dem Antrag ist die Lohnsteuerkarte für 2006 beizufügen. Ist der Freibetrag eingetragen, erhält der Arbeitnehmer bei der nächsten Lohnzahlung mehr Netto, weil der Arbeitgeber weniger Lohnsteuer vom Bruttolohn abzieht.
Wie viel Steuern Eltern sparen, hängt von ihrem Einkommen und den Betreuungskosten ab. Die Stiftung Warentest nennt ein Beispiel für eine Doppelverdienerehe: „Überweisen Eltern für ihre fünfjährige Tochter 1 200 Euro im Jahr an die Kita, zahlen sie bei 40 000 Euro gemeinsamen Einkommen 230 Euro weniger Steuern inklusive Solidaritätszuschlag. Die Eltern können noch 4 800 Euro Betreuungskosten für ihre Tochter ausgeben. Dann erhalten sie weitere 903 Euro vom Finanzamt zurück.“ Im vorigen Jahr hätten die Eltern in diesem Beispiel gar keine Steuerersparnis gehabt, weil sich bislang Betreuungskosten erst ab 1 548 Euro steuerlich auswirkten. Anderes Beispiel: Eine berufstätige Alleinerziehende mit 25 000 Euro Jahreseinkommen zahlt 2 400 Euro Betreuungskosten. 1 600 Euro kann sie absetzen – die Steuerersparnis beträgt 493 Euro. 2005 waren es nur 232 Euro.
Wer seine Höchstbeträge schon vor Ende 2006 ausschöpft, sollte mit seinen Betreuungshilfen vereinbaren, dass die nächste Rechnung erst in 2007 geschrieben wird. „Manche Dienstleister sind bereit, die zum Jahresende fällige Bezahlung einer größeren Rechnung auf zwei Jahre zu verteilen“, so die Stiftung Warentest. Ist der Dienstleister umsatzsteuerpflichtig, beträgt die Mehrwertsteuer ab Anfang 2007 aber 19 statt zuvor 16 Prozent.
Zu den Betreuungskosten zählen Kosten für Kindergarten oder Kindertagesstätte, Tagesmütter, eine bezahlte Hausaufgabenbetreuung oder die Kosten für den Babysitter und das Au-pair-Mädchen. Die entgeltliche Betreuung durch Angehörige erkennt das Finanzamt nur an, wenn eine klare schriftliche Vereinbarung vorliegt, zum Beispiel ein „Geschäftsbesorgungsvertrag“. Kosten für Nachhilfeunterricht, Musik- oder Tennisunterricht, Fremdsprachenkurse oder Privatschulgebühren zählen nicht zu den Betreuungskosten.
Das Finanzamt verlangt auch, dass der Kinderbetreuer eine korrekte Rechnung stellt und der Betrag überwiesen wird. Barzahlungen, auch gegen Quittung, akzeptiert das Finanzamt nicht.
Bei Paaren mit nur einem Verdiener gilt die neue Regelung nur für Kinder zwischen drei und sechs Jahren. Das gilt auch für Alleinerziehende, die nicht erwerbstätig sind. „Allerdings ist die Geltendmachung als Sonderausgaben auf die Kindergartenkosten beschränkt“, teilt das Bundesfamilienministerium mit. Die Bundesregierung begründet dies so: „In dieser Altersgruppe ist der allgemeine Kindergartenbesuch im Rahmen des Rechtsanspruches gesellschaftlich erwünscht. Kindergartenkosten sind daher nicht vermeidbar“ – Kosten für Babysitter, Kitas und Tagesmütter hingegen wohl, wenn nur ein Elternteil berufstätig ist.
Haushaltsnahe Dienste
In kleinerem Rahmen können aber auch Alleinverdiener-Familien Kosten für Babysitter, Tagesmütter und andere Helfer geltend machen, und zwar über den Umweg der „haushaltsnahen Dienstleistung“. Alleinverdiener-Paare können 20 Prozent der Kosten für die Betreuung von Kindern als haushaltsnahe Dienstleistung absetzen, maximal 600 Euro im Jahr. Voraussetzung: Die Betreuungshilfe ist Minijobber, sozial­ver­sicherungs­pflichtige Haushaltshilfe oder Selbstständige. Grundlage ist § 35 a Einkommensteuergesetz. In der Steuererklärung wird dies in den Zeilen 45 bis 54 bei den außergewöhnlichen Belastungen erfasst. Doppelverdiener können diese Regelung nicht zusätzlich zur Steuerminderung nutzen, wenn sie Kinderbetreuungskosten bereits als Werbungskosten geltend machen. Sie können haushaltsnahe Dienstleistungen nur für Haushaltshilfen, Handwerkerrechnungen oder Pflege geltend machen. Kai Althoetmar
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