ArchivDeutsches Ärzteblatt PP11/2006Krankenkassen: Kooperation im IT-Bereich

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Krankenkassen: Kooperation im IT-Bereich

Krüger-Brand, Heike E.

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Erwarten Synergieeffekte durch das gemeinsame Rechenzentrum: Ulla Schmidt und Johannes Vöcking bei der GKV Informatik in Wuppertal Foto: dpa
Erwarten Synergieeffekte durch das gemeinsame Rechenzentrum: Ulla Schmidt und Johannes Vöcking bei der GKV Informatik in Wuppertal Foto: dpa
Sieben Allgemeine Ortskrankenkassen und die Barmer betreuen gemeinsam über ein zentrales Rechenzentrum fast ein Viertel der gesetzlich Krankenversicherten.

Die Krankenkassen-Szene ist in Bewegung geraten: Nach der ersten länderübergreifenden Fusion zweier Kassen – der Allgemeinen Ortskrankenkasse (AOK) Rheinland und der AOK Hamburg – Ende Juni 2006 kommt es jetzt erstmals zu einer kassenartenübergreifenden Kooperation zwischen gesetzlichen Krankenkassen, wenn auch beschränkt auf den Bereich der Informationstechnologie (IT). Die Allgemeinen Ortskrankenkassen Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland/Hamburg, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Westfalen-Lippe sowie die Barmer betreiben künftig ein gemeinsames Rechenzentrum in Wuppertal.
Die rasant voranschreitende technische Entwicklung und die steigenden Anforderungen an die IT stellen die Krankenkassen vor ständig neue Herausforderungen. „Nahezu keine Aufgabe ist heute mehr ohne eine moderne und leistungsfähige IT zu lösen. Komplexe Versorgungsformen, wie die integrierte Versorgung oder Disease-Management-Programme, sind ohne IT-Unterstützung nicht denkbar“, begründete Dr. Johannes Vöcking, Vorstandsvorsitzender der Barmer, das Gemeinschaftsprojekt. Ziel sei es, Synergieeffekte zu nutzen, Kosten zu verringern und mit modernen Softwarelösungen den Service für die Versicherten zu verbessern. Die acht Krankenkassen haben dazu im April 2006 die Arbeitsgemeinschaft „GKV Informatik GmbH“ gegründet, die für die beteiligten Kassen die komplette IT-Infrastruktur auf der Grundlage der von der AOK Systems entwickelten Branchensoftware „oscare“ einrichtet und betreibt. Mittelfristig sollen dadurch Kosteneinsparungen von mindestens 13 Prozent im Bereich des IT-Betriebes erreicht werden. Die Einsparungen ergeben sich im Wesentlichen aus der gemeinsamen Nutzung zentraler Dienste, der Konzentration von zuvor fünf auf ein Rechenzentrum und verbesserten Preiskonditionen bei externen Partnern. Auf die IT-Kosten entfallen circa 20 Prozent der allgemeinen Kassenverwaltungskosten. Die rund 580 Mitarbeiter der GKV Informatik stammen fast alle aus den bisherigen IT-Bereichen der beteiligten Krankenkassen.
Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­terin Ulla Schmidt betonte anlässlich einer Besichtigung des Rechenzentrums, damit sei der Beweis erbracht, dass eine Konzentration des Einzuges der Sozialversicherungsbeiträge über eine zentrale Stelle grundsätzlich möglich sei. „Das traditionelle Kassenartenwesen muss nicht so bestehen bleiben. Der Ansatz, dass kassenartenübergreifend Effizienzgewinne angestrebt und Problemlösungen entwickelt werden, ist für die gesamte gesetzliche Kran­ken­ver­siche­rung vorbildhaft“, so Schmidt. Das eingesparte Geld – Versichertengeld – komme wieder den Versicherten zugute. Die Krankenkassen profitierten davon ebenso wie die Versicherten.
Die beteiligten Kassen betreuen über die virtuelle Clearingstelle zusammen nahezu ein Viertel aller gesetzlich Versicherten. Man sei aber offen für weitere Partner von draußen, erklärte Vöcking. Darüber hinaus erhofft man sich Synergien bei Großprojekten wie der Einführung der elektronischen Gesundheitskarte und dem Ausbau der Vernetzung.
Die Daten und Anwendungen der beteiligten Kassen werden vollständig getrennt voneinander gepflegt, sodass die kassenspezifische Profilierung im Wettbewerb gewährleistet bleibt. Darüber hinaus wurden in Abstimmung mit dem Datenschutz umfangreiche Sicherheitsvorkehrungen realisiert. Unter anderem sind alle Systeme doppelt (an zwei Standorten) und mit unterschiedlichen Trassen für die Datenkommunikation ausgelegt. Jede IT-Komponente wird in einer zentralen Leitstelle rund um die Uhr überwacht. Kameraüberwachung innerhalb und außerhalb des Gebäudes sowie Bewegungsmelder in allen sensiblen Bereichen gehören zu den Sicherheitsvorkehrungen. Zum Hochsicherheitsbereich der acht Großrechner gelangt man nur durch eine Personen-Schleuse.
Heike E. Krüger-Brand
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