ArchivDeutsches Ärzteblatt PP11/2006Risikofaktor: Arm und ungebildet

WISSENSCHAFT

Risikofaktor: Arm und ungebildet

PP 5, Ausgabe November 2006, Seite 516

Bühring, Petra

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LNSLNS Das Robert-Koch-Institut stellt erste Ergebnisse der BELLA-Studie zur psychischen Gesundheit von Heranwachsenden zwischen sieben und 17 Jahren vor.

Psychische Auffälligkeiten werden bei Kindern mit einem niedrigen sozioökonomischen Status signifikant häufiger. Das ist ein Ergebnisse der BELLA-Studie, dem Modul zur psychischen Gesundheit im Rahmen von KiGGS, der Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen, die das Robert-Koch-Institut (RKI) durchgeführt hat. Mit 17 641 Teilnehmern liefert die europaweit einmalige Studie erstmals ein Bild von der Gesundheit der Heranwachsenden in Deutschland, das alle Altersstufen umfasst und auch Laborbefunde einschließt.
Im Rahmen der BELLA-Studie sind 2 863 Familien mit Kindern im Alter von sieben bis 17 Jahren, die an KiGGS teilgenommen haben, zum seelischen Wohlbefinden und Verhalten sowie zum Auftreten psychischer Auffälligkeiten befragt worden. Kinder ab elf Jahren konnten selber antworten. Erste Ergebnisse stellte Prof. Dr. Ute Ravens-Sieberer, RKI, bei einem Symposium Ende September in Berlin vor. Sie leitet die Studie in Kooperation mit Prof. Dr. Michael Schulte-Markwort, Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.
Bei knapp 22 Prozent der Kinder und Jugendlichen liegen Hinweise für eine psychische Auffälligkeit vor, etwa zehn Prozent davon sind „sehr wahrscheinlich“ psychisch auffällig. An erster Stelle stehen dabei Ängste (zehn Prozent), gefolgt von Störungen des Sozialverhaltens (7,6 Prozent) und Depressionen (5,4 Prozent); 2,2 Prozent leiden an Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörungen. Bei den Risikofaktoren erweisen sich vor allem ein ungünstiges Familienklima mit vielen Konflikten sowie ein niedriger sozioökonomischer Status als negative Einflussgrößen, die mit einer bis zu vierfach erhöhten Wahrscheinlichkeit für psychische Auffälligkeit einhergehen. Dagegen verringert ein guter familiärer Zusammenhalt stark die Wahrscheinlichkeit für psychische Auffälligkeit. Die gesundheitsbezogene Lebensqualität psychisch auffälliger Kinder ist nach ihrem eigenen Urteil in allen Bereichen deutlich eingeschränkt. Personale, familiäre und soziale Ressourcen sind bei den psychisch unauffälligen Kindern stärker ausgeprägt.
Nur die Hälfte entsprechend versorgt
Nur knapp die Hälfte der Kinder und Jugendlichen mit spezifischen psychischen Auffälligkeiten befinden sich in psychotherapeutischer oder psychiatrischer Behandlung, stellte die BELLA-Studie durch die Befragung der Eltern fest.
Ravens-Sieberer wies darauf hin, dass die Ergebnisse der Studie weitgehend den bisherigen Untersuchungen zur psychischen Gesundheit von Heranwachsenden entsprechen. Da bereits bei jüngeren Kindern psychische Auffälligkeiten festgestellt wurden, sei es besonders wichtig, Präventionsmaßnahmen frühzeitig anzusetzen.
Petra Bühring

www.bella-studie.de/studie/index.html
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