ArchivDeutsches Ärzteblatt PP11/2006Kopfschmerzen bei Kindern: Ungünstige Stressverarbeitung

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Kopfschmerzen bei Kindern: Ungünstige Stressverarbeitung

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LNSLNS Psychologen der Universität Trier haben sich mit den Zusammenhängen zwischen chronischen Kopfschmerzen und Stress befasst. An der Untersuchung nahmen 70 Kinder im Alter von neun bis 15 Jahren teil, die seit mindestens sechs Monaten wenigstens zwei Kopfschmerzattacken pro Monat erlitten. 83 Kinder im Alter von acht bis 13 Jahren dienten als Kontrollgruppe. Die Kinder der ersten Gruppe erlebten vor allem drückende oder stechende Schmerzen, die Stunden, manchmal auch mehrere Tage andauerten und von Licht- und Geräuschempfindlichkeit oder Übelkeit begleitet wurden. Die Forscher fanden heraus, dass Kinder mit chronischen Kopfschmerzen nicht mehr Stressereignisse in ihrem Alltag erlebten als nicht betroffene Kinder. Sie verarbeiteten Stress jedoch ungünstiger. Beispielsweise vermieden sie belastende Situationen, sie neigten zum Grübeln und Resignieren, und sie zeigten ärgerlich-gereiztes Verhalten angesichts unangenehmer Themen. Strategien wie positive Selbstinstruktionen oder Suche nach sozialer Unterstützung setzten sie hingegen selten ein. Von den Kopfschmerzprädiktoren Häufigkeit, Dauer und Intensität war die Intensität am einflussreichsten. „Je stärker die Kopfschmerzen waren, desto ausgeprägter zeigten sich schmerzbedingte Hilflosigkeit, Depressionen und Rückzugsverhalten“, berichten die Autoren. Aus den Ergebnissen lässt sich folgern, dass präventive und therapeutische Maßnahmen an verschiedenen Ebenen ansetzen sollten. Geeignete Interventionen sind zum Beispiel Vermeidung von Stress, Entspannung sowie die Erarbeitung und Erweiterung des Spektrums an Stressbewältigungstechniken. ms

Saile H, Scalla P: Chronische Kopfschmerzen und Stress bei Kindern. Zeitschrift für Klinische Psychologie und Psychotherapie 2006; 3: 188–95:

Dr. Helmut Saile, Dipl.-Psych. Pascale Scalla, FB 1 – Psychologie, Universität Trier, 54286 Trier

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