ArchivDeutsches Ärzteblatt PP11/2006Systemische Familientherapie: Wirksamkeit gut belegt

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Systemische Familientherapie: Wirksamkeit gut belegt

PP 5, Ausgabe November 2006, Seite 517

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LNSLNS Systemische Familientherapie (FT) ist ein in den USA und in vielen europäischen Ländern anerkanntes Psychotherapieverfahren. In Deutschland fehlt die Anerkennung jedoch bislang. Wissenschaftler der Universitäten Mainz und Hamburg und der Universitätsklinik Heidelberg haben sich daher zum wiederholten Mal mit der wissenschaftlichen Evidenz zur Wirksamkeit befasst. Über Datenbankrecherchen und Querverweise in Metaanalysen und Reviews ermittelten sie 47 kontrollierte randomisierte Outcome-Studien sowie 90 weitere Publikationen, die bis Ende 2004 auf Englisch, Deutsch oder Spanisch publiziert worden waren. „Sehr gut belegt ist die Wirksamkeit von systemischer FT bei Essstörungen, Störungen des Sozialverhaltens und jugendlicher Delinquenz, Substanzstörungen und psychischen Faktoren bei somatischen Krankheiten“, berichten die Autoren. Auch liegen erfolgreiche systemische FT-Studien zu Depressionen, Suizidalität und schweren psychiatrischen Krisen, Hyperaktivitätsstörungen sowie Misshandlung/ Vernachlässigung von Kindern durch ihre Eltern vor. Die Ergebnisse sind meist auch zeitlich stabil über Katamnesezeiträume von bis zu fünf Jahren. Über unerwünschte Wirkungen liegen bislang keine Befunde vor. Allerdings ist die systemische Familientherapie allein nicht immer ausreichend und muss etwa bei schweren und/oder organischen Störungen mit anderen psychotherapeutischen oder pharmakologischen Interventionen kombiniert werden. ms

von Sydow K, Beher S, Schweitzer-Rothers J, Retzlaff R: Systemische Familientherapie bei Störungen des Kindes- und Jugendalters. Psychotherapeut 2006; 2: 107–43.

Priv.-Doz. Dr. Kirsten von Sydow, Psychologisches Institut, Universität Hamburg, Von-Melle-Park 5, 20146 Hamburg, E-Mail: kirsten.von.sydow@uni-hamburg.de
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