ArchivDeutsches Ärzteblatt PP11/2006Erschütterung des Selbst- und Weltverständnisses durch Traumata. Auswirkungen von primärer und sekundärer Traumaexposition auf kognitive Schemata

BÜCHER

Erschütterung des Selbst- und Weltverständnisses durch Traumata. Auswirkungen von primärer und sekundärer Traumaexposition auf kognitive Schemata

PP 5, Ausgabe November 2006, Seite 518

Andreatta, Maria Pia

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Traumatherapie: Für den Einstieg in das Thema geeignet
Traumafolgen manifestieren sich in affektiven, somatischen und kognitionsbezogenen Störungen. Diesen letzten Bereich fokussiert die Autorin in ihrem Buch. Kognitive Schemata ordnen unser Selbst- und Weltverständnis, stiften Vorhersehbarkeit und das Erleben von Kontrolle und Kompetenz. Diesen Bestand an Grundannahmen erschüttert oder zerstört die traumatische Erfahrung, nach der nichts mehr so ist wie zuvor.
Zunächst erläutert die Autorin die verschiedenen Konzepte kognitiver Schemata, um dann, ausgehend von einem psychodynamischen Verlaufsmodell, die unmittelbaren Folgen einer Erschütterung von Sinn- und Handlungsbezügen zu skizzieren. Erkennbar wird hierbei, wie sehr die ständige, oft unwillkürliche oder subliminale Rekapitulation der traumatischen Ereignisse den (oft vergeblichen) Versuch des Opfers darstellt, neue Kontrollüberzeugungen zu restituieren.
Ein weiteres umfangreiches Kapitel ist dem Thema der oftmals kumulativen Sekundärtraumatisierung von Einsatzkräften gewidmet. Daran schließt an die Erörterung der Frage, welche kognitiven Pfade im Langzeitverlauf (Anpassung/Bewältigung versus Fehlanpassung) eingeschlagen werden und schließlich, welche Faktoren aus Sicht der Salutogenese beziehungsweise Resilienzforschung auf den spezifischen Verlauf Einfluss nehmen.
Abschließend zieht die Autorin Schlüsse für therapeutische Interventionen. Sie stellt verschiedene Ansätze vor (kognitiv-behavioral, psychodynamisch – hier im Wesentlichen der MPTT-Ansatz von Fischer, imaginative Verfahren – Redemann/ Sachsse), um dann kurz behandlungstechnische Vorschläge für die Sekundärtraumatisierung vorzustellen.
Das Buch ist klar gegliedert und gut leserlich gehalten und eignet sich sehr für den Einstieg in die Materie, nicht jedoch für die kniffligen Fragen therapeutischen Vorgehens, nachdem man die Anfangsgründe der Traumatherapie durchschritten hat. Michael Naumann-Lenzen

Maria Pia Andreatta: Erschütterung des Selbst- und Weltverständnisses durch Traumata. Auswirkungen von primärer und sekundärer Traumaexposition auf kognitive Schemata. Psychotraumatologie, Psychotherapie, Psychoanalyse. Asanger Verlag GmbH, Kröning, 2006, XII, 302 Seiten, 29 €
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema