ArchivDeutsches Ärzteblatt PP11/2006Anders verrückt?! Lesben und Schwule in der Psychiatrie

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Anders verrückt?! Lesben und Schwule in der Psychiatrie

PP 5, Ausgabe November 2006, Seite 518

Biechele, Ulrich; Hammelstein, Philipp; Heinrich, Thomas

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Homosexualität: Spannend und praxisgerecht
Erst 1987 wurde Homosexualität als Krankheit aus der ICD gestrichen. Danach gilt die homosexuelle Orientierung nicht mehr an sich als behandlungs- und veränderungswürdig, sondern die Störungen, die auftreten können, wenn ein Individuum die sozialen Schwierigkeiten und Benachteiligungen zu bewältigen sucht, die die homosexuelle Existenz mit sich bringt.
Die Autoren des Bandes, bestehend aus Beiträgen des Fachkongresses unter dem Titel „anders ver-rückt?! Lesben und Schwule in der Psychiatrie“, zeigen auf, dass es nach wie vor Berichte von Homosexuellenfeindlichkeit in der psychotherapeutischen Praxis, von Ignoranz und abwertenden Lehrinhalten in der Psychotherapie-Ausbildung gibt. Als erste Veröffentlichung im deutschen Sprachraum widmet sich dieses Buch, das über vereinzelte Erfahrungsberichte und anekdotische Forschungs- und Therapieaspekte hinausreicht, der Situation von Lesben und Schwulen in der Psychiatrie.
Dass es eines lesbischen und schwulen Unterstützungsangebotes bedarf, um einen akzeptierenden Rahmen der homosexuellen Orientierung zu schaffen, in welchem die Bildung und Festigung einer homosexuellen Identität stattfinden kann, verdeutlichen die Autoren auf überzeugende Weise. Detailliert und empirisch untermauert, mit vielen praktischen Hinweisen, wird beispielsweise über ein erfolgreiches Projekt zur Rehabilitation und Integration psychiatrie-erfahrener Schwuler berichtet. Der reichhaltige Fundus des Buches wird durch die Vorstellung der ersten Selbsthilfegruppe für Lesben und Schwule mit Psychiatrie-Erfahrung erweitert.
Nützlich ist auch die Vorstellung eines in der Praxis erprobten Konzepts zur Implementierung des Themas Homosexualität in der Ausbildung von Heil- und Pflegekräften. Eine Fülle weiterer Beiträge findet in diesem Buch Platz, von den Besonderheiten der Beratung homosexueller Jugendlicher und derer Familien über Mediation bis hin zur Psychotherapie, sodass der Leser kaum einen Bereich innerhalb der psychosozialen Versorgung vermissen wird.
Fazit: Das Buch ist spannend zu lesen, reichhaltig ausgestattet und absolut praxisgerecht. Es bleibt zu hoffen, dass die Leserschaft sich nicht auf den Kreis der Lesben und Schwulen beschränkt. Vitali Scheibler

Ulrich Biechele, Philipp Hammelstein, Thomas Heinrich (Hrsg.): Anders verrückt?! Lesben und Schwule in der Psychiatrie. Jahrbuch Lesben – Schwule – Psychologie 2006. Pabst Science Publishers, Lengerich u. a., 2006, 153 Seiten, kartoniert, 15 €
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