ArchivDeutsches Ärzteblatt PP11/2006Die Bedeutung des Vaters. Psychoanalytische Perspektiven

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Die Bedeutung des Vaters. Psychoanalytische Perspektiven

Dammasch, Frank; Metzger, Hans-Geert

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Psychoanalyse: Die Rolle des Vaters im Spannungsfeld
In Zeiten von Patchwork-Familien, Alleinerziehenden und zunehmendem Kinderlosigkeitswunsch vor allem von Männern ist es ein begrüßenswertes Unterfangen, verschiedenste Aspekte des Vaterseins sowie verinnerlichter Vaterbilder unter psychoanalytischen Perspektiven zu untersuchen. Die beiden Herausgeber Dammasch und Metzger, beschäftigen sich seit vielen Jahren mit der Entwicklung von Kindern und der Rolle des Vaters. Sie konnten sechs weitere erfahrene Kliniker gewinnen, Beiträge für diesen Sammelband zu verfassen. Hinzu kommen drei Arbeiten international renommierter Analytiker.
Die Herausgeber sehen die aktuelle gesellschaftliche Rolle des Vaters im Spannungsfeld zwischen wachsendem Engagement der Väter und zunehmender Marginalisierung ihrer Bedeutung in der Erlebniswelt ihrer viel beschäftigten, oft nicht mit ihnen zusammenlebenden Kinder. Das Vaterwerden sei „nicht mehr eingebettet in kulturelle Selbstverständlichkeiten, sondern zu einem individuellen Entscheidungsprozess geworden“. Die Väter können also nicht mehr auf ein selbstverständliches transgenerationales Vorbild – ob in An- oder Ablehnung – zurückgreifen, sondern müssen ihre Identität selbst (er)finden. Zugleich führen die gesellschaftlichen Umwälzungen keineswegs dazu, dass sich auch die psychodynamische Bedeutung der Väter bei ihren Kindern verändert: „Nach wie vor werden Väter von ihren Töchtern und Söhnen idealisiert, und diese tragen die Idealisierung in ihre späteren Beziehungen, suchen sich Leitbilder in der Gesellschaft oder lassen die Idealisierung in eine enttäuschte Entwertung umschlagen.“ Die in drei Abschnitte eingeteilten Texte spannen einen weiten Bogen von aktuellen psychoanalytischen Konzepten und entwicklungspsychologischen Forschungsprojekten der frühen Vater-Kind-Beziehung (Heberle, Lenkitsch-Gnädinger), der mentalisierenden Rolle des Vaters für das Gelingen erwachsener Liebesbeziehungen (Blaß) in Abgrenzung zu dessen lebenslanger Idealisierung (Britton), über die traumatischen Auswirkungen früh verstorbener (McDougall) oder abwesender Väter (Dammasch, Youell) bis hin zu Überlegungen zur heutigen Rolle des Vaters in der Familie. Nicht nur der mit Kindern und Jugendlichen arbeitende Therapeut, sondern auch der Erwachsenentherapeut findet in diesem Band eine Fülle von Anregungen und konzeptionellen Überlegungen, um die Bedeutung des Vaters – für seine Patienten, aber sicher auch für sich selbst – besser verstehen zu können. Angela Hanke

Frank Dammasch, Hans-Geert Metzger (Hrsg.): Die Bedeutung des Vaters. Psychoanalytische Perspektiven. Brandes & Apsel Verlag, Frankfurt am Main, 2006, 336 Seiten, Hardcover, 29 €
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