ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2006DFG fordert lockerung des Stammzellgesetzes

AKTUELL: Akut

DFG fordert lockerung des Stammzellgesetzes

Zylka-Menhorn, Vera

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LNSLNS Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fordert in einem am 10. November vorgelegten Gutachten eine Revision des Stammzellgesetzes. Nach Angaben ihres Präsidenten Prof. Dr. rer. nat. Ernst-Ludwig Winnacker hat sich das Wissen über regenerative Zelltherapien und die Untersuchung genetischer Krankheiten wesentlich erweitert und präzisiert. Durch die im Stammzellgesetz von 2002 festgelegte Stichtagsregelung seien deutsche Forscher jedoch vom Zugriff auf neue Zelllinien und von der Arbeit in internationalen Projekten weitgehend ausgeschlossen. Die Stichtagsregelung schreibt vor, dass deutsche Forscher nur mit solchen embryonalen Stammzellen arbeiten dürfen, die vor dem 1. Januar 2002 gewonnen wurden. Dabei handelt es sich um 22 Zelllinien, die bisher nach Deutschland importiert werden durften. Diese seien jedoch, so betont Winnacker, mit tierischen Zellprodukten oder Viren verunreinigt, wiesen besonders starke genetische Mutationen auf und seien für einen Einsatz am Patienten völlig ungeeignet. Weltweit gebe es inzwischen etwa 400 Linien embryonaler Stammzellen in standardisierten Stammzellbanken. Für deutsche Wissenschaftler sei der Zugriff darauf jedoch verboten.
„Kriminalisierung verhindern“
„Diese neuen Zelllinien ermöglichen Forschung auf internationalem Niveau und verhindern langfristig die Herstellung weiterer Stammzelllinien“, so die DFG. Deshalb sollte die Stichtagsregelung abgeschafft und der deutschen Forschung auch neuere, im Ausland hergestellte und verwendete Stammzelllinien zugänglich gemacht werden, sofern diese aus „überzähligen“ Embryonen entstanden sind. Winnacker sprach sich auch dafür aus, den Import von Zelllinien nicht nur für die Forschung, sondern auch für diagnostische, präventive und therapeutische Zwecke zu erlauben.
Nach jetziger Gesetzeslage machen sich deutsche Wissenschaftler zudem strafbar, wenn sie an Stammzellenforschungen im Ausland mitarbeiten, die in Deutschland nicht zugelassen sind. Dies habe zu einer „zunehmenden Isolierung“ deutscher Kollegen geführt, sagte Winnacker. Um eine „Kriminalisierung“ zu verhindern, müsse dieser Passus gestrichen werden.
Keine zwei Stunden nachdem die DFG ihr Petitum bekannt gemacht hatte, lehnte Bun­des­for­schungs­minis­terin Annette Schavan gesetzliche Lockerungen bei der Stammzellenforschung ab. Sie sagte jedoch eine Überprüfung zu mit dem Ziel, rechtliche Unsicherheiten zu beseitigen. zyl
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