ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2006Spätabbrüche: Irreführend
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Eine Beratung im Rahmen einer PND ist eine genuine ärztliche Tätigkeit, die ein zentraler und unverzichtbarer Bestandteil der Arzt-Patient-Beziehung immer schon war und sich aufgrund der Erfordernisse in den letzten Jahren immer weiter intensiviert hat. Die Art und die Durchführung dieser Beratung sind unter Berücksichtigung der individuellen Situation der Rat suchenden Patientin bzw. des Elternpaares so umfassend wie möglich, neutral und ergebnisoffen. Im Gegensatz zu der von der Autorin wiedergegebenen persönlichen Auffassung liegt dieser Beratung nicht das Ziel zugrunde, die Schwangerschaft im Fall einer detektierten fetalen Pathologie zum Abbruch zu führen. Die Erfordernisse für eine umfassende Beratung implizieren – dies ist im Übrigen in der zivil- und strafrechtlichen Forensik verankert – die Nennung aller Entscheidungsalternativen, mithin auch die Option eines Schwangerschaftsabbruchs. Der Vorschlag der Autorin, der Patientin die letztgenannten Entscheidungsmöglichkeiten bewusst vorzuenthalten, entbehrt nicht nur das Wissen um aktuelle rechtliche Grundlagen, sondern widerspricht auch der geforderten und notwendigen ergebnisoffenen ärztlichen Beratung und dem ehrlichen Umgang miteinander. Hauptintention des beratenden Gesprächs ist es, die Patientin bzw. das Elternpaar in die Lage zu versetzen, aus der Synopse aller zur Verfügung stehenden Informationen ihre eigene Entscheidung zu finden. Im Rahmen dieses Entscheidungsfindungsprozesses sind außerärztliche psychosoziale Beratungen im Einzelfall eine sinnvolle Ergänzung. Die Erfahrung lehrt, dass die Frage der Fortsetzung der Schwangerschaft hochgradig beeinflusst wird durch das familiär-soziale, vor allem aber durch das partnerschaftliche Umfeld. In der Tat entsteht hier ein Rechtfertigungsdruck, allerdings nicht in erster Linie gegenüber dem Arzt. Bedauerlich ist, dass im genannten Artikel undifferenzierte, polarisierende und irreführende Begrifflichkeiten verwendet werden. Eine befriedigende Lösung des Umgangs mit der zugrunde liegenden diffizilen Thematik – auch unter Würdigung moralisch-ethischer Aspekte – lässt sich nur in einer kooperativen Atmosphäre aller Beteiligten finden.
Für den Vorstand des Berufsverbandes niedergelassener Pränatalmediziner e.V.:
Dr. med. Robin Schwerdtfeger,
Podbielskistraße 122, 30177 Hannover
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