ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2006Spätabbrüche: Eltern wünschen Abbruch
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. . . Niemand wird von betroffenen Eltern ernsthaft eine besonnene und wortgetreue Wiedergabe der ärztlichen Beratungsinhalte anlässlich der Feststellung einer fetalen Fehlbildung erwarten können. Hierzu ist der emotionale Gehalt viel zu komplex und zu schockierend für alle Beteiligten. Dennoch dürfte feststehen, dass das „Wegmachen eines Kindes“ kein Bestandteil ärztlicher Formulierungsweise ist, sondern allenfalls dem Patientenwortschatz zuzuordnen ist. Ebenso geht der Wunsch nach einem Abbruch im Fall einer Fehlbildungsfeststellung im Allgemeinen von den Eltern aus.
In einigen Fällen erlebt man als Pränatalmediziner auch schon bei kleineren Auffälligkeiten, dass Eltern auf Distanz zu ihrem Kind gehen. Die dann erforderliche Beratungsarbeit ist die Hauptursache für die langen Wartezeiten in pränataldiagnostischen Praxen. Von diesen Fällen berichtet Frau Braun natürlich nicht, weil sie sie nicht kennt.
Auch von den Rahmenbedingungen, die es überhaupt zulassen, dass eine Schwangerschaft de facto zu jedem Zeitpunkt zur Disposition stehen kann, weiß sie offensichtlich nichts. Der mehr oder weniger missglückte Versuch eines Spagats zwischen den Belangen des ungeborenen Kindes und den Selbstbestimmungsrechten der Eltern bzw. der Mütter im Rahmen der Reform des § 218 StGB im Jahre 1993 war es, der alle Beteiligten in eine äußerst missliche Konfliktsituation gebracht hat. Hier wieder nur die üblichen Verdächtigen an den Pranger stellen zu wollen, ist so fantasielos wie dreist. Selbstverständlich gehört zu einer kompletten Beratung im Rahmen der Feststellung einer schweren Fehlbildung auch die Option eines Abbruchs, ob uns das nun gefällt oder nicht. Wenn Vater Staat zu feige ist, eindeutige Prioritäten zu setzen, so müssen wir diese eben im Einzelfall mit den Patienten erarbeiten. Welchen lebensbejahenden und -erhaltenden Effekt eine staatliche Beratungslösung hat, zeigt im Fall der (De-facto-)Fristenlösung bis zur Woche 12+ die Unterbrechung von bis zu 180 000 gesunden Schwangerschaften pro Jahr sehr eindrucksvoll, nämlich so gut wie gar keinen . . .
Dr. med. Gerda Enderer-Steinfort,
Dürener Straße 245 A, 50931 Köln
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