ArchivDeutsches Ärzteblatt45/20063 Fragen an… Ulrich Smentkowski, Referent der Gutachterkommission bei der Ärztekammer Nordrhein

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3 Fragen an… Ulrich Smentkowski, Referent der Gutachterkommission bei der Ärztekammer Nordrhein

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Ulrich Smentkowski
Ulrich Smentkowski
DÄ: Die außergerichtliche Beilegung von Arzthaftungsstreitigkeiten gibt es seit 1975, das Thema Fehlermanagement hat dagegen erst in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Warum?
Smentkowski: In einer größeren Öffentlichkeit wird das Thema zwar erst in den letzten Jahren wahrgenommen, auch verstärkt durch das Engagement von Prof. Schrappe. In den Gutachterkommissionen haben wir aber schon viel früher damit begonnen, die systematisch erfassten Ergebnisse der Begutachtungsverfahren auszuwerten. Wir in Nordrhein haben beispielsweise sehr früh „warnende Hinweise“ im Rheinischen Ärzteblatt veröffentlicht.
Seit 1994 veranstalten wir mehrmals jährlich in Zusammenarbeit mit dem Institut für Qualität im Gesundheitswesen themenbezogene Fortbildungsveranstaltungen für Ärzte. Etwa seit Anfang der 1990er-Jahre wurden „Risk-Management-Maßnahmen“, vor allem in Krankenhäusern, mehr beachtet, auch um zu vermeiden, dass die Versicherungsprämien in der Arzthaftpflichtversicherung weiter steigen.

DÄ: Im langjährigen Durchschnitt enden rund ein Drittel der Verfahren mit der Feststellung eines ärztlichen Behandlungsfehlers.
Eine Quote, die überrascht?
Smentkowski: Die Quote überrascht nicht, sie ist auch deshalb „unverdächtig“, weil sie – soweit wir feststellen können – auch der Erfolgsquote gerichtlicher Arzthaftungsklagen entsprechen dürfte. Da über den Zeitraum von mehr als 30 Jahren fast alle mit der Prüfung von Behandlungsfehlervorwürfen befassten Institutionen ziemlich gleichmäßig zu dieser Quote gelangen, gehe ich davon aus, dass diese Größenordnung den tatsächlichen Anteil der Patientenbeschwerden widerspiegelt.

DÄ: Die bundeseinheitliche Statistik soll neben quantitativen auch inhaltliche Angaben zum Fehlervorkommen ermöglichen. Verringert sich dadurch die Fehlerquote?
Smentkowski: Daran glauben wir fest. Indem Institutionen zur Schadensprophylaxe durch das Datenmaterial unterstützt werden, soll die Zahl der Haftungsfälle reduziert und das Vertrauen in die Ärzteschaft gestärkt werden. Abzuschätzen, um wie viel Prozent sich die Fehlerquote verringern kann, wäre aber reine Spekulation.
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