ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2006Psychotherapie: Begrenzung ist zulässig

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Psychotherapie: Begrenzung ist zulässig

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LNSLNS Eine Klausel, die die Kostenübernahme für eine analytische Psychotherapie an die Behandlung durch einen niedergelassenen approbierten Arzt knüpft und sie bei der Behandlung durch einen Psychologischen Psychotherapeuten ausschließt, ist zulässig. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) entschieden.
In seinem Urteil verweist das Gericht auf die Unterschiede zwischen gesetzlicher und privater Kran­ken­ver­siche­rung. Im Bereich der GKV ist demnach vor Beginn einer Psychotherapie die Abklärung einer somatischen Erkrankung durch einen Arzt vorgeschrieben. Bei Privatpatienten ist ein Psychologischer Psychotherapeut dagegen nicht dazu verpflichtet.
Die Klausel in den allgemeinen Versicherungsbedingungen könne nach Ansicht des BGH auch nach Inkrafttreten des Gesetzes über die Berufe des Psychologischen Psychotherapeuten und des Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten vom 16. Juni 1998 nicht dahingehend ausgelegt werden, dass der zugesagte Versicherungsschutz nun auch Behandlungen durch einen Psychologischen Psychotherapeuten umfasse. Es könne vielmehr ein berechtigtes Interesse der Versicherung geben, die Erstattung von Psychotherapien auf Behandlungen durch niedergelassene approbierte Ärzte zu beschränken – so deshalb, weil diese selbst oder in enger Zusammenarbeit mit Ärzten im Krankenhaus auch zur Beurteilung körperlicher Leiden ihrer Patienten und deren Wechselwirkungen mit den seelischen Beschwerden in der Lage seien. Dies könne dazu beitragen, eine Fehlbehandlung überwiegend körperlich bedingter Leiden durch eine Psychotherapie zu vermeiden beziehungsweise sie durch Maßnahmen auf dem Gebiet der somatischen Medizin wirkungsvoll und damit abkürzend zu ergänzen.
Nach Ansicht des Bundesgerichtshofs könne ein Bürger, der eine private Kran­ken­ver­siche­rung abschließt, nicht erwarten, dass er damit so versichert sei, als ob er Mitglied einer Krankenkasse wäre. Auch sei es für einen Versicherten nicht unzumutbar, sich für eine medizinisch notwendige Psychotherapie bei einem Arzt in Behandlung zu begeben, wenn die Kosten vom Versicherer getragen werden. Insgesamt sei der privaten Kran­ken­ver­siche­rung ein berechtigtes Interesse an der strittigen Leistungsbeschränkung nicht abzusprechen, befand der Bundesgerichtshof. (Urteil vom 15. Februar 2006, Az.: IV ZR 192/04 ) Be
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