ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2006Randnotiz: Die Geister, die ich rief

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Randnotiz: Die Geister, die ich rief

Korzilius, Heike

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LNSLNS Die Idee wurde aus der Defensive geboren. Das sagt zumindest ihr geistiger Vater. Lothar Krimmel, damals noch Dezernent der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, hat das Konzept der Individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) vor nicht ganz zehn Jahren auf die Tagesordnung gesetzt. Statt Leistungen offiziell über den Bundes­aus­schuss einzuführen, hätten die Kassen – die soziale Verantwortung der Ärzte ausbeutend – sich darauf verlassen, dass diese die Leistungen „unentgeltlich“ erbringen. Eben weil sie sinnvoll seien, sagte Krimmel jüngst in Nürnberg. Von der Eingliederung solcher Leistungen in den Leistungskatalog ist keine Rede mehr. Dabei ist es unbenommen, dass die Solidargemeinschaft nicht für alles geradestehen kann. Die Tauchsportuntersuchung fällt hier sicher ins Reich des Privatvergnügens und damit der Privatleistung. Bei IGeL handelt es sich dagegen um ein lukratives Geschäftsmodell, mit dem nach AOK-Schätzungen jährlich eine Milliarde Euro umgesetzt wird. Eigene Fortbildungsveranstaltungen widmen sich der Vermittlung effektiver Marketingstrategien. Gynäkologen und Augenärzte haben sich bislang als am geschäftstüchtigsten erwiesen. Immer noch gibt es zwar Ärzte, die vor massiven Imageschäden warnen, wenn die Patienten beginnen, sich zu fragen, ob eine Leistung eher ihnen oder ihrem Arzt nützt. Solch feinsinnige Ethikdebatten wird man sich aber wohlmöglich bald sparen können. Denn neben anderen knüpft inzwischen auch die Deutsche Apotheker- und Ärztebank – die Standesbank der Gesundheitsberufe – die Vergabe von Krediten an die Höhe des (potenziellen) IGeL-Umsatzes. Für Puristen wird es eng.
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