ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2006Transdermale Systeme: Wie die Applikation von Opioiden verbessert wird

PHARMA

Transdermale Systeme: Wie die Applikation von Opioiden verbessert wird

Leinmüller, Renate

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LNSLNS Opioide in transdermaler Form sind für Schmerzpatienten mit Schluckbeschwerden oder Demenz, aber auch für Karzinompatienten im Terminalstadium oder bei primär neurologischen Erkrankungen eine große Hilfe. Transdermales Fenantyl wird seit Kurzem in einer niedrigen Einstiegsdosis angeboten. Im klinischen Test wird Fenantyl in einem „elektronischen“ Schmerzpflaster als Alternative zur postoperativen Schmerzinfusion geprüft: Eine elektronische Pumpe setzt das Opioid frei und sorgt dadurch für eine schnelle Wirkung.
Fenantyl penetriere gut durch die Haut und bewirke selbst in niedrigen Dosierungen ausreichende Wirkspiegel im zentralen Nervensystem, betonte Prof. Henning Blume (Oberursel) als Pharmakologe in Frankfurt am Main. Durch den geringen First-pass-Metabolismus in der Haut, resultierten im Vergleich mit der oralen Gabe verringerte opioidtypische Nebenwirkungen – insbesondere weniger Obstipation und Somnolenz.
Eine Studie mit 1 220 Patienten weise eine vergleichbar gute Schmerzlinderung wie durch retardiertes orales Opioid aus, erläuterte Dr. Michael Küster (Bonn); bei transdermalem Fenantyl seien jedoch Tagesvitalität und -vigilanz erhöht. Bei Patienten mit stabiler Dosierung werde auch die Fahrtüchtigkeit nicht eingeschränkt.
Geringe Einstiegsdosis in die Opioidtherapie
Als Vorteil wertete der Referent im Falle von Schmerzspitzen die freie Kombinierbarkeit mit anderen Substanzen und die Zulassung bei Kindern – nach einer Vorbehandlung mit 30 mg Morphinäquivalent – ab dem zweiten Lebensjahr. Aus praktischer Sicht begrüßte Küster das Matrixpflaster mit der kleinsten verfügbaren Wirkstoffstärke der Durogesic®-SMAT-Palette, das 12,5 µg pro Stunde über 72 Stunden freisetze und damit einen niedrigen Einstieg in die Basistherapie mit Opioiden erlaube.
Anders als diese Schmerzpflas-
ter, deren Wirkung erst nach
mehreren Stunden eintritt, ist der Effekt des neu entwickelten „elektronischen“ Pflasters bereits nach einer Viertelstunde vorhanden. Diese Akutwirkung wird erreicht durch eine Batterie, die per Schwachstrom den Wirkstoff Fenantyl über eine elektronisch gesteuerte Pumpe aus der Vorratskammer durch die Pflastermembran in die Haut transportiert. Entwickelt wird dieses System als Alternative für Patienten, die postoperativ eine Opioid-Infusion benötigen.
Das System wurde in einer multizentrischen Studie mit rund 600 Patienten getestet, unter anderem in der Intensivmedizin der Universität Halle. Die Patienten können durch Knopfdruck am scheckkartengroßen Dosiersystem selbst bestimmen, wie häufig sie eine Wirkstoffdosis benötigen – ein integrierter Mikrochip verhindert eine Überdosierung. Die Neuentwicklung, die als Ionsys voraussichtlich im nächsten Jahr auf den Markt kommen soll, hat bereits die EU-Zulassung erhalten.
Dr. rer. nat. Renate Leinmüller

Symposium: „Schlucken oder Kleben? Das ist hier die Frage“, im Rahmen des Schmerzkongresses in Frankfurt/Main, Veranstalter: Janssen-Cilag
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