ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2006Typ-2-Diabetes: Sitagliptin hemmt den Abbau von Inkretinen

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Typ-2-Diabetes: Sitagliptin hemmt den Abbau von Inkretinen

Blaeser-Kiel, Gabriele

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LNSLNS Zur Behandung von Typ-2-Diabetikern steht zwar eine breite Palette von Medikamenten zur Verfügung. Doch deren Nutzen-Risiko-Profil ist vielfach unbefriedigend. Eine vielversprechende Alternative scheint der DPP-4-Hemmer Sitagliptin zu sein, der sich in den USA bereits im Zulassungsverfahren befindet.
Das therapeutische „Target“ ist das bei Typ-2-Diabetikern gestörte Inkretinsystem beziehungsweise die daraus resultierende unzureichende Produktion von GLP-1 (Glucagon like peptide 1) und GPI (Glucosedependent insulinotropic peptide). Beim Gesunden werden diese Hormone im Ileum und Jejunum als Reaktion auf die orale Zufuhr von Kohlenhydraten freigesetzt. Sie stimulieren zum einen die Insulinproduktion und hemmen zum anderen die hepatische Glucoseproduktion.
In Tierexperimenten habe sich durch GLP-1 das Wachstum von insulinproduzierenden Betazellen im Pankreas anregen lassen, nannte Prof. Michael Nauck (Bad Lauterbach) eine weitere Eigenschaft. Jedoch fehlten derzeit Methoden, solche Veränderungen auch bei Menschen zu erfassen.
Die Substitution der Peptidhormone wird dadurch erschwert, dass dies nur parenteral möglich ist und außerdem die Halbwertszeit weniger als zwei Minuten beträgt. Für die rasche Inaktivierung verantwortlich ist Dipeptidyl-Peptidase-4 (DPP-4), eine überall im Organismus vorkommende Protease. Mit Sitagliptin wird DPP-4 selektiv gehemmt.
Ein wesentlicher Vorteil dieses Wirkprinzips ist für MSD-Forscher Dr. Harvey Katzeff (Whitehouse Station/USA) die Simulation nahezu physiologischer Verhältnisse. Da die Freisetzung der Inkretine und als Konsequenz die Sekretion von Insulin nur nach Zufuhr von Kohlenhydraten erfolge, sei das Hypoglykämierisiko äußert gering. Als positive Nebeneffekte für die vielfach übergewichtigen Diabetiker könnten die verlangsamte Nährstoffaufnahme durch die verzögerte Magenentleerung sowie die Appetitminderung angesehen werden.
Keine Veränderungen des Körpergewichts
Die Ergebnisse der klinischen Studien entsprachen den Erwartungen. Bei Patienten mit Typ-2-Diabetes führte die einmal tägliche Einnahme von Sitagliptin zu einer effektiven Reduktion des Nüchtern- und postprandialen Blutzuckers sowie des HbA1c-Werts. Die Inzidenz von Hypoglykämien lag auf Placeboniveau, und es gab keine Veränderungen des Körpergewichts.
Katzhoff berichtete von einer kürzlich abgeschlossenen Untersuchung, an der 552 Typ-2-Diabetiker teilgenommen hatten. Im Vergleich zur Kontrollgruppe habe im Sitagliptin-Arm der HbA1c-Wert um durchschnittlich 0,56 Prozentpunkte mehr abgenommen. Der Effekt sei abhängig vom Ausgangswert gewesen: minus 0,25 bis 1,13 Prozentpunkte (< sieben bis > 8,5 Prozent).
Gabriele Blaeser-Kiel

34. MSD-Diskussion „Inkretine: ein Schlüssel zur Therapie des Typ-2-Diabetes?“ in Wiesbaden

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